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Kritik: Policeman (2011)


"Policeman", das Spielfilm-Debüt des israelischen Filmemachers Nadav Lapid, schildert die Problematik der zunehmenden sozialen Ungleichheit in Israel und rückt zudem das tabuisierte Thema des innerisraelischen Terrorismus ins Zentrum seiner Erzählung. Der Film entstand 2011, also im Jahr der großen Protestbewegungen in Israel. In dieser Zeit erlebte das Land die größte Protest- und Demonstrationsbewegung seiner Geschichte. Die vor allem jungen Demonstranten prangerten die zunehmenden sozialen Verwerfungen und Unrechtmäßigkeiten im Land sowie die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich an. Die sozialen Ungleichheiten in Israel gehören zu den härtesten der westlichen Welt. Lebenshaltungskosten explodieren und vor allem die Preise für Mieten und Lebensmittel erreichen solch astronomische Höhen, dass sie für den gemeinen Mittelstand längst nicht mehr erreichbar sind. Gleichzeitig werden die Reichen immer reicher und ersticken fast im Wohlstand. Es sind vor allem diese beunruhigenden gesellschaftlichen Entwicklungen, auf die Lapid mit seinem komplexen, vielschichtigen Thriller-Drama aufmerksam machen will.

"Policeman" nutzt zwei Handlungsstränge, um auf eben jene innerisraelischen Konflikte und auf das Tabuthema des Terrorismus, der aus den eigene Reihen kommt, zu verweisen. Da ist zu einem die Handlung um den idealistischen Yaron, Mitglied einer Anti-Terror-Einheit. Er trägt voller Stolz die grüne Uniform seiner Polizeieinheit, die ihn dazu berechtigt, mit Gewalt gegen den Hauptfeind, die Palästinenser, vorzugehen. Dabei zeigt "Policeman" aber immer wieder auch einen einfühlsamen, sensbilen Yaron, etwa dann, wenn er sich zu Hause mit Hingabe und Liebe um seine hochschwangere Frau kümmert. Der Zusammenschnitt dieser sich widersprechenden Szenen und Ereignisse ergibt ein durchaus verstörendes Bild Yarons. Dessen Weltbild wird erschüttert, als er erfährt, dass die Kidnapper der Millionärsfamilie keine Palästinenser sondern "Landsleute" sind und damit sozusagen aus den eigenen Reihen stammen. Dies führt dazu, dass Yaron seine eigenen (politischen und weltlichen) Ansichten sowie die der Entführer, stärker hinterfragt. Die andere Geschichte, die Regisseur Lapid in seinem Film erzählt, handelt von der linken Terroristin Shira die mit ihrer Gruppierung auf der anderen Seite des Gesetzes gegen die soziale Ungerechtigkeit im Land kämpft.

Geschickt nutzt Lapid diese beiden Geschichten, die fast über den kompletten Zeitraum des Films autonom verlaufen, um deutlich zu machen, dass der Terrorismus eben nicht immer nur außerhalb der israelischen Gesellschaft und des Volkes, sondern zunehmend auch von Innen heraus, entsteht. Die erste Hälfte des Films handelt von Yaron, in der zweiten steht Shira mit ihrer Gruppe im Vordergrund. Für den Zuschauer mag der urplötzliche Wechsel der Geschichte und Perspektive zwar ein wenig unvermittelt kommen, im finalen Showdown führt Lapid seine beiden Handlungsstränge aber wieder geschickt zusammen. Dabei überzeugen vor allem auch die beiden Hauptdarsteller Yiftach Klein und Yaara Pelzig, die ihre schwer zugänglichen Charaktere für den Zuschauer greifbar und ihre Vorgehensweisen (zumindest ein Stück weit) nachvollziehbar machen. "Policeman" ist darüber hinaus ein äußert langsam erzählter Film, der sich für seine Figuren und deren Entfaltung viel Zeit nimmt. Bringt der Zuschauer die benötigte Konzentration und zudem die Motivation mit, sich mit der durchaus komplex angelegten Geschichte und Erzählweise zu beschäftigen, erlebt er eine vielschichtige, fesselnde Momentaufnahme der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation und Stimmung in Israel.

Fazit: Mit der erforderlichen Konzentration und der Bereitschaft, sich auf den komplexen Stoff und seine vielschichtigen Figuren einzulassen, erlebt man mit "Policeman" ein ruhig und unaufgeregt erzähltes Thriller-Drama, das zwei unterschiedliche Handlungsstränge intelligent zusammenführt.




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