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Drecksau - Hauptplakat
Drecksau - Hauptplakat
© Ascot

Kritik: Drecksau (2013)


"Drecksau" beruht auf dem gleichnamigen, 1998 erschienen Erfolgs-Roman des schottischen Kult-Autors Irvine Welsh. Mit "Trainspotting" lieferte er die literarische Vorlage zu einem der besten Filme der 90er. "Drecksau" ist nach "Trainspotting" und "The Acid House" die dritte Verfilmung eines seiner Werke. Mit James McAvoy und Jamie Bell ist der Film mit zwei der gegenwärtig gefragtesten britischen Darsteller exquisit besetzt. Ebenso wie der Roman begeistert auch der Film mit seinem satirisch angehauchten, mitunter arg derben Humor und einer aufwühlenden Tragikomik, die dem Film eine bittersüße Note verleiht. Hinzu kommen die starken Leistungen sämtlicher wichtiger Darsteller. Dass „Drecksau“ dennoch nicht vollends überzeugt, liegt an seiner wirren Erzählweise und den ständigen Wendungen, die verhindern, dass man sich der Hauptfigur emotional nähern kann.

Im Mittelpunkt von "Drecksau" steht der egozentrische Lebemann Bruce, der immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und nichts lieber tut, als seine Arbeitskollegen in Intrigen zu verwickeln, Gerüchte in die Welt zu setzen und deren intimste Geheimnisse zu verraten. Auch wenn man als Zuschauer großes Mitleid für die gebeutelten Mitmenschen von Bruce entwickelt, so macht es doch einen Heidenspaß, James McAvoy bei seinen durchtriebenen Spielchen und Gemeinheiten zuzusehen. Dies ist der Hauptverdienst von MvAvoy selbst, der seine selbstsüchtige Hauptfigur mit Leidenschaft und großer Überzeugungskraft verkörpert. Ein weiteres großes Plus ist der satirische Humor des Films, den Regisseur Jon S. Baird gekonnt von der Romanvorlage auf die große Leinwand überträgt. Die wilde Tour-de-Force aus Sex, Drogen und Gemeinheiten wird dabei von einem impulsiven Soundtrack vorangetrieben, der von Euro-Dance bis Hardrock alles bietet.

Das fiese, rücksichtslose Verhalten von Bruce seinen Mitmenschen gegenüber verliert jedoch viel von seiner Durchschlagskraft und seltsamen Faszination, als sich immer mehr abzeichnet, dass Bruce insgeheim ein gebrochener, verzweifelter Mann ist. Seine Trauer versucht er mit Drogen und hartem Sex zu kompensieren. Der Zuschauer erfährt, dass er einst ein guter Cop mit Frau und Tochter war. Mehr aber leider auch nicht. Was dazu führte, dass Bruce in die Drogenabhängigkeit glitt und er seine Familie verlor, lässt der Film offen. Auch schreckt er davor zurück, allzu ausführlich die seelischen Leiden von Bruce zu erkunden und zu hinterfragen. Dies ist auch der kruden, konfusen Erzählweise geschuldet, die immer neue Wendungen und Richtungswechsel bietet, anstatt sich der Hauptfigur auf emotionaler Ebene zu nähern. Das hat zu Folge, dass jegliche dramatische Tiefe vermieden wird. Auch bleibt einem die Hauptfigur während des gesamten Films dadurch seltsam fremd.

Fazit: Stark besetztes, mit satirischem Humor garniertes Kriminal-Drama, dessen wirre Erzählweise und immer neuen Wendungen, eine emotionale Annäherung an die Hauptfigur unmöglich machen.





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