VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Don Jon - Teaserplakat
Don Jon - Teaserplakat
© Ascot © 24 Bilder

Kritik: Don Jon (2013)


Joseph Gordon-Levitt spielt in seinem Regiedebüt, wie er in der in der Pressekonferenz auf der Berlinale kundgab, einen "amerikanische Archetyp" – eigentlich fast eine Karikatur: Jon Martello ist ein italienischstämmiger Macho in New Jersey, muskelgestählt, Goldkettchen mit Kreuz und zurückgegelte Haaren. Sein Leben hat er vollkommen sexualisiert, von endlosen, ritualisierten One-Night-Stands über sein Auto – selbst der sonntägliche Gang zur Kirche ist ein Akt, bei dem er die obligatorische Beichte seiner wöchentlichen Sünden herunterspult. Die ihm dafür auferlegten Ave Marias reißt er dann nebenbei beim Bodybuilding runter. "Don Jons" eigentliche Obsession ist allerdings nicht Sex an sich, sondern Pornos. Gleich zu Beginn listet er seine gesamten Präferenzen graphisch untermalt auf und erklärt außerdem, warum "Porno immer besser ist, als Pussy", wiederum mithilfe eines Stakkatos von thematisch aufgereiten Internet-Clips, der er die vergleichsweise unbefriedigende Wirklichkeit entgegensetzt.

Die Diskrepanz von dem, wie Sex in Pornos aussieht und wie es sich in Wirklichkeit anfühlt, wird für ihn zum ernsthaften Problem, als er Barbara – eine Rolle, die Gordon-Levitt Scarlett Johannson tatsächlich auf den Leib schrieb – begegnet. In seinem persönlichen Ranking erhält die kurvige Blondine eine "zehn", und das für gleich mehrere Körperteile! Doch auch sie ist auf ein bestimmtes Männerbild fixiert. Eines, das kitschigen Liebesfilmen entspringt. Obwohl er, um sie zu gewinnen, tatsächlich einige seiner Verhaltensweisen ändert, wird er schließlich enttäuscht: Selbst eine komplette Zehn kann mit seinen festsitzenden Bildern nicht mithalten. Und so schleicht er kurz nach dem ersten Sex wieder vor den Computer…

Dass man überhaupt mit einem plumpen Proll wie Jon, der Frauen verbal unbekümmert in nutzbare Einzelteile zerlegt, überhaupt warm wird, ist vermutlich zum Großteil Gordon-Levitts bisherigen charmant-sensiblen Rollenimage aus Filmen wie "Brick", "500 Days of Summer" oder "50/50" zu verdanken. Jons zwanghaftes Verhalten erregt zwar hier und da Mitleid, aber da der Charakter sonst nicht viel zu bieten hat, wirkt er eher wie eine Witzfigur. Überhaupt unterläuft der konsequent ironische Unterton die von Gordon-Levitt verkündete Intention, einen "Liebesfilm" zu drehen. Da Johannson und Gordon-Levitt stark überzeichnete Figuren spielen, liegt es an Julianne Moore, die einzige wirkliche, dreidimensionale Persönlichkeit und damit ein wenig mehr Substanz in den Film zu bringen. Sie taucht als hippieske, sensible Schülerin Esther in einem Abendkurs auf, den Jon ursprünglich nur besucht, um sich damit Barbaras Ideal anzunähern – und sie damit endlich ins Bett zu kriegen.

Gordon-Levitts Anspruch war es, darzustellen wie "Menschen sich gegenseitig objektifizieren", auch außerhalb von Pornos. Und das ist ihm zum Teil auch gelungen – anhand von Barbara zeigt er, dass romantische Hollywood-Chick Flicks ebenso unrealistische Ansprüche an potentielle Partner aufbauen, wie die Hardcore-Industrie. Die wohlwollende Message, die er dann am Ende unterbringt, ist jedoch ein wenig schlicht geraden. Dafür blieb vermutlich auch der Applaus aus.

Fazit: Unterm Strich gelang Joseph Gordon-Levitt mit "Don Jon’s Addiction" ein gewagter, überwiegend spaßiger und streckenweiser origineller Erstling, der leider narrativ nicht völlig ausgereift ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.