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Anchorman: Die Legende kehrt zurück
Anchorman: Die Legende kehrt zurück
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Anchorman: Die Legende kehrt zurück (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der selbstverliebte und ungehobelte Ron Burgundy ist zweifellos ein kleines Phänomen. Während sein erster Kinoauftritt 2004 außerhalb der USA fast gänzlich unbeachtet blieb, konnte die Figur des eigenwilligen Nachrichtensprechers im Zuge ihrer DVD-Verbreitung erstaunliche Erfolge feiern. Eine Entwicklung, die die vor kurzem gestartete Fortsetzung eindrucksvoll bestätigt. Immerhin spielte "Anchorman – Die Legende kehrt zurück" bislang fast 165 Millionen Dollar ein, wovon mehr als 41 Millionen auf dem nicht-amerikanischen Markt erzielt wurden (2004 waren es dort nur etwas über 5 Millionen). Wirklich erklären lässt sich Burgundys Beliebtheit jedoch nicht, denn schon der erste Teil operiert vor allem mit Kalauern und stumpfsinnigen Slapstick-Einlagen. Elemente, die freilich auch das Sequel bestimmen.

Obwohl nach den früheren Ereignissen einige Jahre vergangen sind, hat sich der Protagonist nicht wesentlich verändert. Zwar ist er nun mit Veronica verheiratet und Vater eines Sohnes. Von seinen Grundprinzipien will Ron aber keineswegs abrücken: Die Karriere steht über allem, Frauen im Beruf sind ein Problem, und politische Korrektheit wird generell überbewertet. Einstellungen, die den früheren Nachrichtenstar unversehens ins Straucheln bringen und vor ernsthafte Probleme stellen. Wirklich witzig ist der Handlungsauftakt allerdings nicht. Schon eher zäh und schleppend, gespickt mit reichlich müden Gags. Erfrischende Abwechslung bietet einzig der Auftritt von Wettermann Brick Tamland, der allen Ernstes als Trauerredner auf seiner eigenen Beerdigung erscheint und zunächst nicht glauben will, dass er noch lebt. Anders als im Vorgänger, wo Brick ausschließlich als grenzdebiler Stichwortgeber fungiert, wird ihm nun eine eigene Geschichte zugestanden, die eine Reihe herrlich komischer Momente zur Folge hat.

Die größte Wirkung entfaltet der Film allerdings mit Burgundys Rückkehr auf den Nachrichtenstuhl. Findet er es anfangs noch befremdlich, für einen Sender zu arbeiten, der pausenlos Nachrichten ausstrahlt (in den frühen 1980ern ein Novum), entwickelt sich Ron recht schnell zur Speerspitze dieser neuen Art des Journalismus. Um seinen nächtlichen Sendeplatz attraktiver zu machen beschließt er, keine Beiträge mehr zu bringen, die für den Zuschauer wichtig sein könnten. Sondern nur noch solche, die wirklich auf Interesse stoßen. Weshalb seine Sendungen fortan von Lobliedern auf die amerikanische Nation, rührseligen Tiergeschichten und kommentierten Autoverfolgungsjagden dominiert werden. Aus der Not heraus erfindet der Nachrichtenprofi ein Konzept, das Fakten und Fiktionen beliebig mischt, ernsthafte Informationen ausblendet und dennoch große Erfolge feiern kann. Wenig subtil, aber durchaus gelungen persiflieren Regisseur Adam McKay und Co-Autor Will Ferrell auf diese Weise die Boulevardisierung und Quotengeilheit des Fernsehens – Phänomene, die in der heutigen Medienlandschaft allgegenwärtig sind.

Derart bissige Kommentare werden leider allzu häufig von platten Späßen und weniger spannenden Einfällen überlagert. So spielt auch dieses Mal der Konkurrenzkampf unter den männlichen Nachrichtenreportern eine große Rolle. Musste sich der Protagonist früher mit zweifelhaften Kollegen aus San Diego auseinandersetzen, trifft er nun, bei seinem neuen Arbeitgeber, auf den strahlenden Schönling Jack Lime (James Marsden), der keinen Hehl aus seiner Abneigung für Burgundy macht. Die beiden narzisstischen Moderatoren liefern sich ein kleines Privatduell, das – der Vorgänger lässt grüßen – in ein aberwitziges Kampfgetümmel mündet, bei dem diverse Nachrichtenmannschaften, bestehend aus einer ganzen Armada an prominenten Gaststars, aufeinandertreffen. Fans des ersten Teils dürften dabei voll auf ihre Kosten kommen. Wer sinnentleerten Drehbuchwendungen hingegen nichts abgewinnen kann, hat für diese Szenen vermutlich nur ein Kopfschütteln übrig.

Überhaupt setzt der Film mit seinen vielen Schenkelklopfern und abstrusen Handlungsumschwüngen auf eine ganz eigenwillige Art von Humor. Das wird auch im letzten Drittel schmerzlich sichtbar, wenn Ron nach seinem Höhenflug einen umso tieferen Fall erlebt. Was sich McKay und Ferrell an dieser Stelle aus den Fingern saugen, ist gewollt anarchisch, deshalb aber noch lange nicht komisch. Zu allem Überfluss blähen die Macher diese witzlose Sequenz unnötig auf und zögern das Finale damit immer weiter hinaus. Das kriegt selbst der Vorgänger besser hin.

Fazit: Nachrichtenberserker Ron Burgundy ist wieder da und macht genau dort weiter, wo er aufgehört hat. Auch wenn sich einige treffsichere Pointen zwischen die derben Witze und abgedrehten Einfälle mischen, bleibt der zweite "Anchorman" ein durchweg fragwürdiges Vergnügen.





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