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Männer zum Knutschen - Poster
Männer zum Knutschen - Poster
© Pro Fun Media

Kritik: Männer zum Knutschen (2012)


Der Film "Männer zum Knutschen" von Regisseur Robert Hasfogel unternimmt den Versuch, das Genre der Romantic Comedy im schwulen Kino erfolgreich zu etablieren. Im Zentrum des Films stehen nicht – wie in der romantischen Komödie sonst üblich – die emotionalen Hochs und Tiefs einer heterosexuellen Liebesbeziehung, sondern die von Ernst und Tobias, einem in Berlin lebenden schwulen Paar. Der Film ist das erste Werk der Produktionsfirma Ente Kross, die von den beiden Hauptdarstellern des Films, Frank Christian Marx und Udo Lutz, gegründet wurde. Der zwischen Juli 2010 und Mai 2011 in Berlin gedrehte Film wurde zu großen Teilen aus der eigenen Tasche finanziert und konnte letztlich nur durch die finanzielle Hilfe der Fans per Crowdfunding realisiert werden. "Männer zum Knutschen" wurde auf einschlägigen Festivals frenetisch gefeiert und international bereits mehrfach ausgezeichnet.

Das große Plus des Films ist, dass er viele Klischees des schwulen Films auslässt und Themen sowie Figuren serviert, die einem – zumindest im Gay Cinema aus Deutschland – in dieser Konstellation nicht oft begegnen. Diese Aspekte können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass "Männer zum Knutschen" aufgrund seiner oft laienhaft agierenden Darsteller und einer zweitklassigen Inszenierung, der man das geringe Budget leider nur allzu oft anmerkt, nicht mehr geworden ist als eine harmlose, oft alberne Beziehungskomödie speziell für das Queer-Publikum.

Der grundsolide Bankangestellte Ernst aus der Provinz und der ausgeflippte Berliner Lebemann Tobias sind die unterschiedlichsten Charaktere, die man sich nur denken kann. Aber da sich Gegensätze bekanntlich anziehen, sind die Beiden auch ein Paar. Gemeinsam gelingt es ihnen, das alltägliche Auf und Ab ihrer glücklich-chaotischen Beziehung mit Bravour zu meistern. Doch es droht Gefahr aus dem engsten Umfeld von Ernst: Seine beste Freundin aus Kindheitstagen – die ebenso intrigante wie besitzergreifende Uta – steht plötzlich auf der Matte. Und diese hat nicht nur ein Problem mit seinen besten Freunden sondern auch mit Tobias, weshalb sie diese "störenden Elemente" schnellstmöglich loszuwerden versucht. Tobias und der Rest der Clique geben jedoch nicht kampflos auf.

Das Gute vorweg: "Männer zum Knutschen" ist kein Film über schwule Männer bzw. eine schwule Liebesbeziehung, in der allseits bekannte, doch arg abgenutzte Themen des schwulen Films vorkommen. So finden sich hier weder die Coming Out-Problematik, noch übermäßige, typische Beziehungsprobleme oder Protagonisten unter 25 wieder. Im Zentrum stehen zwei Männer in ihrer Lebensmitte, von denen zumindest einer – der geerdete, anständige Ernst – einem gängigen Alltagsleben aus Beruf (Bankkaufmann) und Partnerschaft nachgeht. Der Zweite im Bunde – der flippige, lebensfrohe Paradiesvogel Tobias – bringt Kreativität in die Beziehung und sorgt mit seinen verrückten Ideen für neuen Schwung und allerlei Abwechslung.

So angenehm es ist, dass die Macher zumeist einen weiten Bogen um die gängigen, oben erwähnten schwul-lesbischen Themen machen, so überdreht und albern kommt der Film leider in vielen Momenten daher. Diese Momente lassen dann jeglichen Anflug von Humor vermissen und sind einfach nur überzogen und absurd geraten. Angefangen schon in der Eröffnungsszene, wenn der als Panzerknacker verkleidete Tobias Ernst einen Besuch in der Bank abstattet, um ihm das zu Hause liegen gelassene Pausenbrot zu bringen. Oder wenn die Beiden in einem Berliner Szeneclub auf übertriebene und daher nur leidlich komische Art und Weise, eine (eher peinliche als heiße) Tanznummer aufs Parkett legen. Dies sind nur zwei Beispiele für die oft überzeichneten Charaktere und viele überspitzt dargestellte Szenen.
Ein weiteres Manko neben der dem geringen Budget geschuldeten, an B-Movies erinnernden Videooptik sind die oft hölzern und unfreiwillig komisch agierenden Darsteller, die zumeist nicht in der Lage sind, ihren Figuren emotionale Tiefe und (vor allem) Glaubwürdigkeit zu verleihen. Zudem vollziehen die Protagonisten im Film oftmals nur schwer nachvollziehbare Handlungen, denen es schlicht an Charme und Witz fehlt. So gießt Tobias die Blumen auf dem Balkon gerne in einem Kleid aus Luftballons, feiern Ernst und Tobias mit Freunden eine (be-) rauschende Drogen-Party und Orgie auf der heimischen Toilette oder bedroht die als Mossad-Agentin tätige Uta Tobias mit den nicht wirklich angsteinflößenden Worten "Du hast eine Woche Zeit um deine Sachen zu packen und das Feld zu räumen". All diese Übertreibung und Überzeichnung trüben den Gesamteindruck merklich. Ein wenig versöhnlich stimmen jedoch die hübschen, farbenfrohen Bilder des sommerlichen Berlin mit all seinen Sehenswürdigkeiten, die die Lust auf einen baldigen Hauptstadt-Trip wecken.

Fazit: "Männer zum Knutschen" ist eine abgedrehte Beziehungskomödie über ein schwules Pärchen mit hübschen Berlin-Impressionen und ohne die gängigen Klischees und Stereotypen. Die fast ins Groteske abdriftende, überdrehte Inszenierung und die vielen übertrieben dargestellten Figuren und Szenen trüben allerdings den Gesamteindruck.





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