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Third Person
Third Person
© Sony Pictures Classics

Kritik: Dritte Person (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis knüpft mit diesem Drama stilistisch an seinen Oscar-Erfolg "L.A. Crash" an. In kurzen Schnitten blättert er drei parallele Geschichten auf, deren Protagonisten sich in Paris, Rom und New York befinden. Was diese verschiedenen Handlungsstränge thematisch miteinander verbindet, ist allerdings weniger klar als im Rassismus-Drama "L.A. Crash". Der Schriftsteller Michael und seine Freundin Anna, das Zimmermädchen Julia, der Geschäftsmann Scott und die Roma Monika scheinen nur eines gemeinsam zu haben: Sie stehen an einem Scheideweg in ihrem Leben.
Wie weit können die Charaktere einander vertrauen, sich dem anderen offenbaren? Die sprunghafte Anna scheint ein Problem mit Nähe zu haben: Entweder will sie keinen Mann, der sie wirklich braucht, oder sie glaubt selbst nicht daran, dass jemand sie lieben könnte. Michael ist auch viel zu sehr mit seinem Roman beschäftigt, über den sein Verleger vernichtend urteilt, um Anna zu zeigen, ob ihm etwas an ihr liegt. Der zynische Geschäftsmann Scott findet Monika attraktiv, aber die Kommunikation stößt immer wieder an Barrieren. Er sieht, wie geringschätzig sie behandelt wird und wie einsam und ausgestoßen sie sich fühlt. Ihr Misstrauen gegen ihn weckt seinen Ehrgeiz, sich als verlässlicher Freund zu erweisen. In jedem der Handlungsstränge gibt es rätselhafte Elemente, versteckte Absichten, unerklärte Motive, die das Geschehen in der Schwebe halten. Erst am Schluss werden völlig überraschende Zusammenhänge enthüllt, die so gut kaschiert waren, dass sie garantiert nicht vorhergesehen werden konnten. Dabei offenbart sich auch, worauf der Filmtitel anspielt. Am Ende bekommt das Geschehen also die emotionale Brisanz, die der Film lange vermissen lässt. Denn sein zäher Mittelteil ist enttäuschend spannungsarm. Die Charaktere müssen sich die meiste Zeit viel zu bedeckt halten, als dass man mit ihnen mitfiebern könnte. An dieser unklaren Figurenzeichnung ändern im einzelnen auch die vielen namhaften Darsteller nichts.
Streckenweise zerfransen die räumlich weit auseinanderliegenden Handlungsstränge auch stark. Julias Sorgerechtsstreit würde allein schon locker Stoff für einen ganzen Spielfilm hergeben. Monikas Geschichte als unverstandene Migrantin, die möglicherweise Opfer und Täterin zugleich ist, hat etwas Exotisches, das sich kaum in das enge Korsett der Gesamterzählung zwängen lässt. Und in der Beziehung von Michael und Anna stecken mehr Dramen als in einer griechischen Tragödie. Zusammengewürfelt ergibt das alles 137 Filmminuten, die überwiegend langweilen oder Fragen aufwerfen, welche allzu spät beantwortet werden. Auch ein so bewährter Filmemacher wie Paul Haggis kann mal an den eigenen Ambitionen scheitern.

Fazit: Auch die namhaften Darsteller können nicht verhindern, dass sich dieses episodische Beziehungsdrama langatmig und allzu gut verschlüsselt dahinzieht.





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