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Live by Night
Live by Night
© Warner Bros.

Kritik: Live by Night (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Live by Night" ist der vierte Langfilm, den Ben Affleck als Regisseur realisieren konnte. Wie schon für sein starkes Regiedebüt "Gone Baby gone" (2007) hat der Filmemacher und Schauspieler einen Roman von Dennis Lehane adaptiert. Visuell kann Affleck mit seiner neusten Schöpfung an die Kraft seines Erstlingswerks sowie an seine eindrücklichen Folgearbeiten "The Town" (2010) und "Argo" (2012) anknüpfen; in puncto Figurenzeichnung, Spannung und Dramatik ist das period piece im Milieu der Gesetzlosen und Gangster indes deutlich weniger überzeugend.

Auf ästhetischer Ebene ist "Live by Night" wahrlich ein Vergnügen: Die Kostüme und das sorgsame Produktionsdesign lassen die 1920er und 1930er Jahre in Massachusetts und Florida lebendig werden. Wenn man dem Film in diesem Punkt etwas vorwerfen kann, dann vielleicht höchstens, dass alles beinahe zu akkurat anmutet. Entschieden problematischer ist hingegen, dass das Gezeigte selten die erforderliche Dringlichkeit entwickelt. In der Gestaltung einer Autoverfolgungsjagd zwischen Joes Truppe und der Polizei demonstriert Affleck zwar sein inszenatorisches Können; über weite Strecken vermag die Geschichte von Liebe und Verrat, Erpressung und Bestechung, Aufstieg und Schmuggel, Rassismus und Wahnsinn jedoch nicht mitzureißen, da sie zu überfrachtet ist und zu wenig in die Tiefe geht.

Als desillusionierter Kriegsheimkehrer liefert Affleck eine solide schauspielerische Leistung; die Ambivalenz dieses Mannes, der kein Gangster, sondern lediglich ein outlaw sein will, sich aber im Laufe der Zeit immer mehr – ohne es selbst zu bemerken – in einen Gangster verwandelt, wird vom Skript, der Inszenierung sowie der Darstellung Afflecks allerdings nicht ausreichend vermittelt. So bleibt Joe Coughlin ein kaum greifbarer Held, welcher von durchaus interessanten Nebenfiguren flankiert wird. Diese erhalten wiederum oft nicht den nötigen Raum innerhalb der Erzählung. Der Ire Brendan Gleeson hat ein paar prägnante Auftritte als Vater und Polizist, in denen die inneren sowie äußeren Konflikte, die sich aus der Tatsache ergeben, dass dessen Sohn in verbrecherische Angelegenheiten verwickelt ist, glaubhaft zum Ausdruck gebracht werden. Auch Sienna Miller und Zoe Saldana können ihr Talent beweisen; doch während die von Miller verkörperte Emma in erster Linie eine dramaturgische Funktion zu erfüllen hat, wird die von Saldana interpretierte Kubanerin Graciela nach vielversprechender Einführung ins Geschehen allzu rasch in die Rolle der liebenden und sich sorgenden (Ehe-)Frau gedrängt. Die Antagonisten sind entweder zu stereotyp oder als recht offensichtliche overacting-Angebote an Charaktermimen wie Matthew Maher oder Max Casella angelegt. Die dankbarsten und reizvollsten Parts kommen daher Chris Cooper als Chief Figgis und Elle Fanning als dessen Tochter Loretta zu: Coopers Performance steckt, selbst in kurzen Blicken oder minimalen Bewegungen, voller Tragik – und Fanning gehören als junge Frau, die nach hochfliegenden Karriereträumen erst im Drogensumpf landet und daraufhin zur Predigerin gegen jede Form von Sünde wird, die besten Momente von "Live by Night".

Fazit: Ein passabler Mix aus Kriminalfilm und Drama, dessen Ausstattung zu gefallen weiß. Die Zeichnung des Protagonisten bleibt zu unscharf; in den Nebenrollen wird zu viel Potenzial verschenkt.




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