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Kill the Boss 2
Kill the Boss 2
© Warner Bros.

Kritik: Kill the Boss 2 (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

2011 stürmte die schwarze Komödie "Kill the Boss", im Original als "Horrible Bosses" bekannt, die amerikanischen Kinocharts und erzielte auch in anderen Ländern beachtliche Ergebnisse. Was keineswegs selbstverständlich war, da die Mischung aus Hitchcocks "Der Fremde im Zug" und der Arbeitssatire "Warum eigentlich… bringen wir den Chef nicht um?" nur bedingt überzeugen konnte. Ein fulminant aufspielendes Darstellerensemble stand einer recht schlichten Handlung gegenüber, deren derbe Gags des Öfteren ins Leere liefen. Aus kreativer Sicht nicht die besten Voraussetzungen für ein Sequel, könnte man meinen. Dass schwächere Erstlingsfilme jedoch sehr wohl halbwegs zufriedenstellende Nachfolger hervorbringen können, beweist "Kill the Boss 2", der, anders als der "deutsche" Verleihtitel nahelegt, nicht wieder von abstrusen Mordplänen handelt, sondern eine zum Scheitern verurteilte Entführung in den Mittelpunkt seiner Geschichte stellt.

Mussten sich die sympathischen, aber chaotischen Protagonisten Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) im ersten Teil noch mit unliebsamen Vorgesetzten herumschlagen, steigen sie nun selbst zu Unternehmern auf und entpuppen sich als eine Spielart der "schrecklichen Chefs", von denen im Originaltitel die Rede ist. Nicht wegen eines rüden Umgangs mit ihren Mitarbeitern, sondern weil die drei Freunde schlicht und ergreifend viel zu tollpatschig sind, um eine eigene Firma zu leiten. Noch bevor ihr neues Geschäft richtig durchstarten kann, lassen sie sich vom schmierigen Großkapitalisten Bert Hanson (Christoph Waltz) aufs Kreuz legen und sind plötzlich gezwungen, abermals zu kriminellen Mitteln zu greifen, um ihren kleinen amerikanischen Traum zu retten.

Der Plot an sich ist, ähnlich wie in "Kill the Boss", alles andere als spektakulär (wenn auch ein wenig wendungsreicher) und dürfte so manchen Glaubwürdigkeitsfanatiker auf die Palme bringen. Gleichwohl sind Regisseur Sean Anders (übernahm den Staffelstab von Seth Gordon) und Koautor John Morris überhaupt nicht an Logik oder großer Erzählkunst interessiert. Vielmehr zaubern sie eine Reihe herrlich absurder Ideen aus dem Hut, die Genremuster persiflieren und ihren Darstellern ausreichend Raum geben, um sich richtig auszutoben. Vor allem Bateman, Day und Sudeikis spielen sich mitunter in einen wahren Rausch, bringen es aber dennoch fertig, ihre idiotisch agierenden Figuren stets liebenswert erscheinen zu lassen. Als Zuschauer geht man gerne mit den drei Trotteln mit, auch wenn sie von einer hochnotpeinlichen Situation in die nächste schlittern. Für nachhaltigen Eindruck sorgen auch die Kurzauftritte von Kevin Spacey und Jennifer Aniston, die mit sichtlichem Vergnügen in ihre Rollen aus dem ersten Teil zurückkehren. Komödiantisches Talent beweist darüber hinaus Chris Pine als undurchschaubares Entführungsopfer, während Christoph Waltz zwar treffend besetzt ist, jedoch nur selten Gelegenheit zum Glänzen bekommt.

Einmal mehr fällt der Humor offen anstößig statt subtil aus, was sicher nicht jedermanns Sache ist, hier allerdings etwas häufiger zu gelungenen Pointen führt, selbst wenn es wieder einige Beispiele für verpatzte Gags geben mag. Aufgefrischt werden die freimütigen, vor sexuellen Anspielungen strotzenden Dialoge durch kleine Seitenhiebe auf den modernen Arbeitsmarkt und die Auswüchse des Kapitalismus (Stichwort: Der Amerikanische Traum entsteht in China!), die natürlich zu keinem Zeitpunkt in die Tiefe gehen. Dass die Komödienfortsetzung im Großen und Ganzen funktioniert, liegt nicht zuletzt am passenden Musikeinsatz, am flotten Inszenierungsstil und einigen interessanten Montagen, die dem Ganzen eine ansprechende Dynamik verleihen. Große Unterhaltungskunst sollte man definitiv nicht erwarten, wohl aber einen Film, der für einen vergnüglichen Kinoabend ohne große Ansprüche geeignet ist.

Fazit: Dank ungehemmt aufspielender Darsteller und einiger herrlich absurder Einfälle bietet "Kill the Boss 2" mehr, als man vom Nachfolger einer nur selten überzeugenden Komödie erwarten darf.




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