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Ihr werdet euch noch wundern - Plakat
Ihr werdet euch noch wundern - Plakat
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Ihr werdet euch noch wundern (2012)


"Ihr werdet euch noch wundern" ist der neue Film des französischen Autoren-Filmers Alain Resnais, der bereits seit den 40er-Jahren als Filmemacher arbeitet und schon über 90 Jahre alt ist. Seit jeher ist Resnais ein Experte wenn es darum geht, anspruchsvolle, kopflastige Inhalte kunstvoll für ein an diesen Geschichten interessiertes, intellektuelles Publikum aufzubereiten. Schon mit seinen ersten Langfilmen "Hiroshima, mon amour" (1959) und "Letztes Jahr In Marienbad" zu Beginn der 60er-Jahre hatte er sich als einer der essentiellen Regisseure der Moderne etabliert.

Wie so oft bei seinen Filmen, versammelte Resnais auch für "Ihr werdet euch noch wundern" die Crème de la Crème der französischen Schauspielkunst. So geben sich hier neben Michel Piccoli und Pierre Arditi ("Das Leben ist ein Chanson") u.a. auch Sabine Azéma ("Tanguy - der Nesthocker") und Lambert Wilson ("Matrix Reloaded") die Ehre. Regisseur Resnais macht aus "Ihr werdet euch noch wundern" eine glänzend gespielte, kunstvoll bebilderte Liebeserklärung an die Geschichte des Theaters und die Filmkunst, richtet sich dabei aber - wie so oft - mit seinen komplexen Themen vornehmlich an ein kenntnisreiches, gebildetes Publikum. Mit viel Liebe zum Detail lässt Alain Resnais hier seiner Vorliebe für die Welt des Theaters und komplex ausgearbeiteter Verwirrspiele Raum. "Ihr werdet euch noch wundern" lässt sich in erster Linie als Liebeserklärung an die hohe Schauspielkunst und die Vorzüge des Theaters (künstliche Kulissen, Unmittelbarkeit, Direktheit etc.) lesen. Sobald sich die "älteren" Schauspieler in der Villa des Verstorbenen einfinden und sich das Video mit den Proben der Jung-Darsteller ansehen, verschwimmen diese beiden Welten, verschwimmt die Vergangenheit mit der Gegenwart. Dies passiert, da sich die Freunde bald daran erinnern, wie sie selbst das Stück vor etlichen Jahren zur Aufführung gebracht haben. Die Schauspieler vor der Leinwand beginnen mit den Schauspielern auf der Leinwand zu interagieren, das Theater unterhält sich mit dem Kino, die Tradition kommuniziert mit der Moderne. Und mittendrin der Kino-Zuschauer, der sich das bunte, schauspielerlisch glänzend dargebotene Treiben genüsslich ansehen darf.

Das Problem, dass "Ihr werdet euch noch wundern" hat: aufgrund der bleiernen Schwere und des Anspruchs der Thematik sowie der leichten Lethargie und Formvollendung der Inszenierung, eignet sich der Film natürlich in keinster Weise für ein Massen-Publikum, das sich lediglich nach (leichter) Unterhaltung sehnt. "Ihr werdet euch noch wundern" ist ein stillvolles und schöpferisches Kunstprodukt, das sehr abstrakt und anspruchsvoll geraten ist und sich daher am ehesten für diejenigen Zuschauer eignet, die mit den Regeln des Theaters, zumindest aber mit dem dargebotenen Werken (vor allem mit dem Anouilh-Stück "Eurydice) vertraut sind. Die breite Masse erreicht Resnais mit diesem Film und seinem hochinteressanten Vexierspiel freilich nicht.

Fazit: Abstrakte, kunstvoll gehaltene Liebeserklärung an das Theater und die hohe Schauspielkunst, die sich vor allem für das anspruchsvolle, intellektuelle Publikum eignet.





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