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Zero Dark Thirty
Zero Dark Thirty
© Universal Pictures Germany

Kritik: Zero Dark Thirty (2012)


Am Anfang des Films ist eine dunkle Leinwand zu sehen, Stimmen und Töne vom 11. September 2001 sind zu hören. Später treten Bilder hinzu, mit denen die aufgeheizte Stimmung dieser Zeit wieder lebendig wird. In dieser Atmosphäre wurde die Jagd nach Osama bin Laden zum wichtigsten Ziel der USA erklärt, und diese anfängliche Emotionalität steht im Gegensatz zu der Zähigkeit der Suche, die letztlich zu ihm führen wird. Eine Spezialeinheit der CIA soll Osama bin Laden aufspüren. Zu dieser Einheit gehört auch die Analystin Maya (Jessica Chastain), die den Spitznamer „Killer“ trägt. Im Jahr 2003 kommt sie nach Pakistan und beobachtet die Folter eines Gefangenen namens Ammar. Die Bilder von Kathryn Bigelows Film „Zero Dark Thirty“ zeigen das Waterboarding, die sexuellen Demütigungen, Schläge und das Einsperren in einen Kindersarg. Es sind diese Minuten des Films, die in den USA zu einer hitzigen Debatte geführt haben. Im Zentrum der Diskussionen steht die Frage, ob Kathryn Bigelow mit ihrem Film Folter befürwortet. Doch diese Frage ist letztlich nicht mit einem einfache „ja“ oder „nein“ zu beantworten.

Zunächst geht es in „Zero Dark Thirty“ nicht um Folter oder die Wahrheit. Vielmehr wird nach dem Drehbuch von Mark Boal ein möglicher Hergang erzählt, der letztlich zu der Tötung von Osama bin Laden führte. Dabei sind Kathryn Bigelow und Mark Boal um eine fast schon dokumentarische Herangehensweise bemüht. Eine Einblendung am Anfang weist darauf hin, dass der Film auf authentischen Protokollen basiere, auch suggeriert die Handkamera – wie schon in „The Hurt Locker – Tödliches Kommando“ – Authentizität und Unmittelbarkeit. Dadurch wird „Zero Dark Thirty“ zu einem eindringlichen Film, in dessen Zentrum die CIA-Agentin Maya – großartig gespielt von Jessica Chastain – und ihre Besessenheit bei der Suche nach Osama bin Laden steht. Sie ist keine strahlende Heldin, sondern eine Frau, die ihre Arbeit macht. Dabei bleibt ihre Motivation ebenso wie ihre Vergangenheit im Dunkeln, der Zuschauer begleitet sie vielmehr in der Gegenwart und bei der zähen Jagd. Es spielt keine Rolle, dass sie eine Frau ist, in diesem Film gibt es keine Geschlechtsunterschiede, sondern nur einen zähen Kampf. Die Ermittlungen ziehen sich über viele Jahre, sie zermürben ihren Kollegen Dan, der nach Washington zurückgeht, kosten Menschenleben, werden von Maya aber unerbittlich vorangetrieben. Dabei nutzt der Film die einzelnen Ereignisse als strukturierendes Mittel, so dass sich seine Handlung vom 11. September 2001 bis ins Jahr 2011 erstreckt.

Durch die Konzentration auf Maya spielt der Film völlig in der Welt der CIA. In dieser Welt wird nicht in Frage gestellt, dass Osama bin Laden getötet werden muss. Hier gibt es kein „richtig“ und „falsch“, kein „gut“ und „böse“. Dabei überzeugt insbesondere, wie Kathryn Bigelow das wechselnde politische Klima durch eine Bemerkung oder Umsetzung deutlich werden lässt. Doch hier wird auch deutlich, dass die Erzählweise des Films nicht objektiv ist. Es fehlen Hinweise auf Reibungen zwischen den Sicherheitsdiensten der USA, auf Schwierigkeiten und Hindernissen. Dadurch erscheint das Zögern mancher Verantwortlichen als politisches Kalkül – und der Zuschauer bekommt letztlich nicht alle Informationen für eine differenzierte Sichtweise der Ereignisse, sondern wird noch enger an die Perspektive von Maya gebunden. Auf diese Weise legt der Film nahe, dass die CIA durch Folter der Gefangenen wichtige Hinweise erhalten hat, die zu der Tötung von Osama bin Laden geführt haben. Sind anfangs in Mayas Gesicht noch leise Zweifel an den Methoden abzulesen, fügt sie sich schnell in die Realität und nimmt die Folter hin. Dass ist innerhalb des Films und der Figur Maya stringent und schlüssig. Doch durch diese unentschiedene Herangehensweise überlassen Kathryn Bigelow und Mark Boal nicht nur das moralische Urteil über Folter dem Zuschauer, sondern auch die Frage, ob Folter ein legitimes Mittel sei. Für die differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage reicht der Film allein aber nicht aus.

„Zero Dark Thirty“ ist ein guter Film, der zu Diskussionen und zum Nachdenken anregt. Getragen von einer großartigen Hauptdarstellerin erzählt er eine spannende Version der Ereignisse, die zur Tötung von Osama bin Laden führten. Am Ende fasst dann ein eindrucksvolles Bild Mayas Erschöpfung und Verlorenheit ein. Es gibt kein Gefühl des Triumphes oder des Sieges – weder bei ihr noch beim Zuschauer. Fazit: „Zero Dark Thirty“ ist ein beeindruckender Film, der manche Fragen aufwirft, sie aber nicht beantwortet.




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