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Mixed Kebab
Mixed Kebab
© Fact & Fiction

Kritik: Mixed Kebab (2012)


Mixed Kebab-Kritik Der deutsche Verleih bezeichnet die belgisch-türkische Tragikomödie "Mixed Kebab" als Hommage an das britische Drama "Mein wunderbarer Waschsalon" von 1985. Jenem von Presse und Publikum gefeierten Film, mit dem Darsteller Daniel Day-Lewis einem größeren Publikum bekannt wurde. Regisseur Stephen Frears lieferte mit "Mein wunderbarer Waschsalon" einen der stärksten filmischen Beiträge der 80er-Jahre, die sich den Themen Toleranz und Mut in einer in weiten Teilen immer noch homophoben Gesellschaft widmeten. Und tatsächlich erinnert in "Mixed Kebab", dem neuen Film des belgischen Produzenten und Regisseurs Guy Lee Thys, vieles an den Klassiker aus den 80er-Jahren.

Beide Filme werden von bunten, aber auch vielschichtigen Charakteren bevölkert. Beide Filme lassen sich als Plädoyer für mehr Liberalität und gesellschaftliche Toleranz verstehen. Und in beiden Filmen steht eine Hauptfigur im Mittelpunkt, deren Lebensstil und wahre Identität im starken Widerspruch zu ihrer Herkunft und ihrem konservativen Umfeld steht. "Mixed Kebab" ist eine lebensbejahende, erfrischende Dramödie mit vielen komischen Elementen ohne größere Durchhänger. Das Problem bei diesem Film ist vielmehr, dass seine Thematik ebenso wenig neu ist wie seine Kernaussage und man beim betrachten stets das Gefühl hat, alles schon einmal irgendwo gesehen zu haben, z.B. eben in "Mein wunderbarer Waschsalon". Für 100 amüsante, kurzweilige Minuten im Bereich des "New Queer Cinema" sorgt er aber dennoch.

Natürlich will Regisseur Lee Thys mit "Mixed Kebab" zunächst einmal aufzeigen, wie sehr in unserer "modernen" Gesellschaft manch einer noch immer für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen und sich und seine Identität verleugnen muss. Vor allem dann, wenn sich die persönlichen Vorlieben und Neigungen nicht mit den Erwartungen und Vorstellungen des familiären Umfelds vereinbaren lassen. Bei aller Tragik und Ernsthaftigkeit, das die Themen des Films mit sich bringen (von unterdrückter wahrer Identität über Gewalt gegenüber Andersdenkenden bis hin zu vorgegaukelter sexueller Orientierung) schwingt das Komödiantische in "Mixed Kebab" stets mit. Der Film legt einen Schwerpunkt auf Witz und Humor, da er mit einem Lächeln auf den Lippen zum Nachdenken anregen will. Dies gelingt auf hohem Niveau, etwa, wenn die lebenshungrige Elif ihrem blinden Vater doch stets die brave und biedere Tochter vorspielt. Mit dem Abtasten des Kopfes seiner Tochter will der Vater überprüfen, ob sie ihr Kopftuch trägt und sie sich damit so verhüllt gibt, wie es der Glaube und die Tradition verlangen. In der nächsten Szene entledigt sich Elif dann sofort des Tuches, sobald der Vater außer Reichweite ist.

Diese Szene steht auch symptomatisch für die Konflikte und Widersprüche, denen sich die Hauptfigur, der charismatische Bram, ausgesetzt sieht. Stets muss Bram sein wahres Ich verstecken und der konservativen Familie etwas vormachen. Dies geht natürlich nur so lange gut, bis ein dummer Zufall dafür sorgt, dass seine wahre sexuelle Orientierung durch ein paar Fotos ans Licht kommt. Darstellerisch überzeugt der Film dabei auf der ganzen Linie. Cem Akkanat verleiht seinem Bram ebensolche Tiefe und Glaubwürdigkeit wie Gamze Tazim ihrer selbstbewussten Elif und Simon Van Buyten dem liebenswürdigen, etwas naiven Kevin. Zudem sorgen die sonnendurchfluteten, idyllischen Bilder der türkischen Schauplätze und Handlungsorte dafür, dass der Film durchaus auch seine optischen Reize hat.

Fazit: "Mixed Kebab" behandelt zwar kein neues Thema, sorgt dank seines gelungenen Humors und seiner gut aufgelegten Darsteller jedoch für extrem unterhaltsame, kurzweilige 100 Minuten.




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