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Kritik: Spectre (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

1,1 Milliarden Dollar spielte "Skyfall" in den Kinos ein und avancierte damit zum finanziell erfolgreichsten Bond-Film aller Zeiten. Kein Wunder, dass Sam Mendes auch beim Nachfolger "Spectre" auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte und alle Welt dem neuen Streifen mit Daniel Craig als 007 gespannt entgegengeblickte. Erst recht, nachdem der britische Schauspieler in einigen Interviews durchblicken ließ, dass er die Lust am Agenten mit der Lizenz zum Töten verloren habe. Produzentin Barbara Broccoli wiederum brach eine Lanze für ihren aktuellen Hauptdarsteller, sodass wir abwarten müssen, wie es in dieser Causa weitergeht. Als Ende seiner Bond-Laufbahn böte sich "Spectre" durchaus an, da hier ein erzählerischer Kreis geschlossen wird. Andererseits wäre es schade, wenn Craig seinen Geheimdienstjob mit einem Film an den Nagel hängen würde, der nicht an den düster-tragischen Vorgänger heranreicht.

Eine Enttäuschung – so viel vorweg – ist der neue Agententhriller allerdings nicht. Das Geld, das Mendes und Co nach ihrem "Skyfall"-Erfolg in die Hand nehmen durften, wurde weitestgehend sinnvoll ausgegeben. Überwältigend sind vor allem die großen Actionabschnitte wie eine Autoverfolgungsjagd durch das nächtliche Rom, die in puncto Dynamik und Optik vieles in den Schatten stellen, was man in letzter Zeit im Kino sehen konnte. Eine der stärksten Passagen des ganzen Films ist der grandios komponierte Prolog, der den Zuschauer nach Mexiko-Stadt entführt und in die Feierlichkeiten des Día de los Muertos eintauchen lässt: Ein Straßenumzug, Musik, maskierte Menschen und mittendrin James Bond, der sich mit einer Begleiterin einen Weg durch die Massen bahnt, ein Hotel betritt, ein Zimmer aufsucht und kurz darauf seinem Tötungshandwerk nachgeht. Eine mitreißende, logistisch höchst aufwendige Plansequenz, gefolgt von einer krachenden, furios gefilmten Actionkaskade in luftiger Höhe.

Abseits der Inszenierungskunst überzeugen auch die beiden wichtigsten Neuzugänge: Léa Seydoux als charismatisches, ausdrucksstarkes Bond-Girl Madeleine Swann und Christoph Waltz in der Rolle des diabolischen Franz Oberhauser, den mehr mit 007 verbindet, als zunächst offensichtlich ist. Genau in diesem Punkt zeigt sich aber auch eine Schwäche des Films, der seine schockierend gedachten Wendungen zu lapidar heraufbeschwört. Die emotionale Wucht von "Skyfall" sucht man hier vergebens, obwohl der Protagonist einigen markerschütternden Offenbarungen ins Auge sehen muss. Ebenso erscheint die angeblich tiefgehende Beziehung zwischen dem Geheimagenten und Madeleine zumeist behauptet, da das Drehbuch die intimen Momente bloß pflichtbewusst abarbeitet.

Während es durchaus spannend ist, wie Craigs vorherige Bond-Abenteuer erzählerisch eingebunden werden, dürfte der Plot an sich nicht unbedingt für große Jubelstürme sorgen. An manchen Stellen schleichen sich Vereinfachungen ein. Und noch dazu wird der Nebenstrang rund um die zukünftige Geheimdienstausrichtung eher halbherzig in die übergeordnete Geschichte integriert. Die Etablierung eines totalen Überwachungsstaats und die alte Schule des MI6 stehen sich deutlich gegenüber, ohne dass der Film Erkenntnisse zu Tage fördert, die nicht schon andere Hollywood-Blockbuster in letzter Zeit verhandelt haben.

Fazit: Inszenatorisch und actiontechnisch imposant, dramaturgisch nicht immer auf der Höhe – "Spectre" bietet mitreißendes Agentenkino, das allerdings nicht aus dem Schatten des viel gelobten Vorgängers heraustreten kann.





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