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Kritik: Dark Places - Gefährliche Erinnerung (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Eine Bestsellervorlage des Thriller-Stars Gillian Flynn und eine namhafte Besetzung, die von Oscar-Preisträgerin Charlize Theron angeführt wird. Eigentlich sollte man meinen, dass sich aus diesen Zutaten ein stimmungsvoller Film ergeben müsste. Doch weit gefehlt. War die von David Fincher inszenierte Adaption des dritten Flynn-Romans "Gone Girl – Das perfekte Opfer" noch ein exquisit fotografiertes, wenngleich im Tonfall schwankendes Intrigenspiel, entpuppt sich die Verfilmung von "Dark Places – Gefährliche Erinnerung", dem zweiten Werk der US-Autorin, als monotoner Einheitsbrei. Entstanden ist ein Thrillerdrama, das fast keine Spannung produziert, emotional eher kaltlässt und auch atmosphärisch enttäuscht.

Libby Day, die in Charlize Therons Darstellung recht teilnahmslos erscheint, ist eine schwer zugängliche Hauptfigur. Nach dem Mord an ihrer Mutter Patty (Christina Hendricks) und ihren beiden Schwestern, den sie als Achtjährige mit ansehen musste, zieht sie sich komplett zurück und finanziert ihr Leben durch die Berühmtheit, die sie nach dem grausamen Verbrechen erlangte. Spenden und eine Autobiografie bringen das nötige Geld ins Haus, um ohne feste Arbeit über die Runden zu kommen – was Libby dem Zuschauer freimütig gesteht. Der Blick auf einen traumatisierten Menschen, der seinen zweifelhaften Ruhm schamlos ausnutzt, ist durchaus reizvoll. Regisseur und Drehbuchautor Gilles Paquet-Brenner ("Sarahs Schlüssel") gelingt es aber nicht, uns der verbitterten Protagonistin und ihrem tiefsitzenden Schmerz näherzubringen. Ihre verlotterte Wohnung wirkt wie eine künstliche Kulisse. Und ihre Abneigung gegen Berührungen vermittelt auf wenig subtile Weise die Verunsicherung, die Libbys Leben auch Jahrzehnte nach den schrecklichen Vorkommnissen noch bestimmt.

Ließen Fincher und Flynn, die ihren eigenen Roman adaptierte, in "Gone Girl" Rückblenden, Projektionen und gegenwärtige Ereignisse auf wirkungsvolle Weise ineinanderfließen, präsentiert Paquet-Brenner ein schnell ermüdendes Wechselspiel zwischen Jetztzeit und Vergangenheit. Die Nachforschungen der Protagonistin erweisen sich als spannungsarmes Abklappern einzelner Stationen und erzeugen trotz schummrig-depressiver Aufmachung keine eindringliche Stimmung. Während Libby seltsam unberührt durch die Gegend stapft, drängen immer wieder frühere Bilder und Erinnerungen an die Oberfläche. Szenen, die das sorgenreiche Farmerleben der alleinerziehenden Patty illustrieren, meistens aber nicht über simple White-Trash-Klischees hinauskommen. Das Schicksal der vierfachen Mutter, die in großen finanziellen Nöten steckt und mit einem widerwärtigen Ex-Mann (Sean Bridgers) geschlagen ist, berührt nur in Ansätzen. Und auch die Satanisten-Hysterie, die in den 1980er Jahren gerade in ländlichen US-Regionen um sich griff, wird in den Rückblenden eher halbherzig verhandelt. Mit dicken Strichen pinselt der Regisseur auf der Gegenwartsebene zudem das Milieu der True-Crime-Liebhaber, in das Libby anfangs eintaucht.

Steht nach etwas mehr als anderthalb Stunden die haarsträubend konstruierte Auflösung an, glaubt man fast an einen schlechten Scherz. Gerade in der unbeholfenen, zähen Umsetzung Paquet-Brenners treten die reißerisch-hanebüchenen Versatzstücke zu Tage, mit denen Flynn in ihren Büchern häufig operiert. Auch die Adaption von "Gone Girl" baut an manchen Stellen auf simple Groschenheftmuster, kann diese aber durch hervorragende Schauspieler und stilvoll-doppelbödige Bilder überdecken.

Fazit: Angefangen bei einer selten stimmigen Atmosphäre über wenig einprägsame Darstellerleistungen bis hin zum ermüdenden Erzählrhythmus ist die Romanverfilmung "Dark Places – Gefährliche Erinnerung" eine einzige Enttäuschung. Wer Spannung und mitreißende Emotionen sucht, sollte sich hier erst gar nicht umschauen!




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