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Dom Hemingway
Dom Hemingway
© 20th Century Fox

Kritik: Dom Hemingway (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Krimikomödie des amerikanischen Regisseurs und Drehbuchautors Richard Shepard ist in zweifacher Hinsicht besonders. Zum einen zelebriert sie genüsslich und ideenreich die Kunst, dramatische Inhalte in eine Posse zu verwandeln. Zum anderen wird sie trotz zahlreicher Charaktere praktisch zum Ein-Mann-Stück, denn alles dreht sich um die schillernde Titelfigur. Sie bietet dem britischen Schauspieler Jude Law eine Paraderolle, um sein komödiantisches Talent, aber auch seine darstellerische Tiefe zu entfalten.

So hochstaplerisch wie sein Name ist auch Dom Hemingways Charakter. Wer denkt, es handele sich um einen Mafiaboss, der irrt: Dom ist ein Verlierer mit einem Super-Ego, er hat zwölf Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht und kommt heraus mit der Erwartung, die Welt im Handstreich zu erobern. Binnen Sekunden steigert er sich in eine emotionale Rage, die ihn mal gewalttätig, mal zum aufgeplusterten Vollidioten macht. Mit dieser Achterbahn der Gefühle, diesem Drang, seinen Namen stolz wie zur Reviermarkierung hinauszuposaunen, hält Doms eingerosteter Verstand nicht ganz mit. So passiert es, dass Dom jedes Mal über die Stränge schlägt, bis er den Schwanz einziehen muss. Oder ihm sein wachsamer Freund und Aufpasser Dickie erklärt, dass er Mr. Fontaine, der nun mal der weitaus Mächtigere ist, nicht hemmungslos verspotten darf. Jude Law beweist in dieser Rolle eines Macho-Rüpels Mut zur äußeren und inneren Hässlichkeit. Sein Spiel gibt dem Ausgeflippten eine bodenständige britische Unterschicht-Note und damit auch im Verlauf der Handlung immer mehr Herz. Dom entdeckt, wie sehr er seine Tochter liebt, wie gerne er seinen Enkel zur Schule fahren möchte, wie unvollständig sein Bild von sich selbst ist.

Shepard entwickelt viele übermütig lustige Szenarien, in denen Dom weiteren markanten Charakteren begegnet. Außer dem völlig gegensätzlichen Buddy Dickie mit seiner coolen gelben Sonnenbrille sticht auch der undurchsichtige Clubbesitzer Lestor hervor, der den Mord an seiner Katze auch nach Jahren noch inbrünstig rächen will. Die Dialoge bekommen wie die einzelnen Situationen schnell einen aberwitzigen Dreh, der in ein kreatives Chaos mündet: Drohgebärden, Ratlosigkeit, Wehklagen, Gelächter wechseln sich in rascher Folge ab. Die Geschichte ist eine einzige gutgelaunte Demontage von allem, was ernst und wichtig daherkommt, wobei sie auch Selbstironie beweist. Die Protagonisten fliegen in Zeitlupe aus dem Cabrio und aus ihren Träumen von Reichtum und Erfolg. Zwischentitel weisen wie in alten Stummfilmen darauf hin, dass sich die Handlung augenzwinkernd interpretieren lässt. Einen höheren Sinn ergibt dieses Gaunerporträt natürlich nicht. Aber die Komödie ist gerade deswegen so gelungen, weil sie Unbedeutendes mit so viel Pepp, Timing und kreativem Witz erzählt.

Fazit: Jude Law brilliert als rüpelhafter englischer Macho in dieser ungeniert heiteren Gaunerkomödie, die mit schrägen Einfällen überrascht.




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