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Kritik: Kawa (2010)


Ungewöhnliche Dinge geschehen immer wieder – auch in der Filmwelt. Seit dem 15. Juni ist das neuseeländische Filmdrama "Kawa" aus der Regiefeder von Katie Wolfe bereits in Deutschland als DVD auf dem Markt – erhält aber nun – knapp vier Wochen später auch in vereinzelten deutschen Kinos seinen Leinwandauftritt. Traditionell sieht ein Vermarktungskonzept eigentlich genau umgedreht aus – erst der Kinoauftritt, dann der DVD-Release.
Um Traditionen im Einklang mit der Moderne geht es auch in Wolfes dramatischer Auseinandersetzung um einen homosexuellen Ehevater, der seine wahren Gefühle nicht länger unterdrücken kann. Wer den Kino Besuch zu "Kawa" schon plant, sollte sich noch einmal genauestens überlegen ob es sich noch lohnt ein Kino-Ticket zu ziehen, wenn der Film schon längst im DVD-Regal steht. Denn auch wenn "Kawa" eine interessante Grundidee über den Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt besitzt, kann der auf dem Buch von Kate McDermott basierende Film zu keiner Zeit nur ein Mindestmaß an Qualität erreichen, weil er es zu keiner Sekunde schafft den Charme eines B-Movies abzulegen, um dadurch ein Grad an Authentizität zu erreichen. Und dadurch ist ein Kinobesuch dringends abzuraten. Und ein DVD-Kauf kann man ebenso nicht sonderlich empfehlen.

Für ein Kinoticket erhofft sich der Zuschauer als Mindestmaß die sogenannte und altbekannte "kinoreife Inszenierung". Warum "Kawa" den Sprung auf die große Leinwand nun doch noch antritt, bleibt fraglich, wenn man sich den dauerhaft trashigen und handwerklich schlecht gemachten Film vor Augen führt. Ob die schlecht ausgeleuchteten Settings, die lieblosen Überblendungen und die lahme Kameraführung: "Kawa" kommt inszenatorisch nicht über die Stufe eines unterdurchschnittlichen B-Movies hinaus, was man am dem Telenovela ähnlichen Bildmaterial am besten erkennen kann. Auch die Schauspieler agieren nicht so, als dass man in die problematische Welt einer scheidenden Familie eintauchen könnte. Es fehlt schlicht und ergreifend der Zugang zu dem Film, der durch das mangelnde Talent der neuseeländlischen Produktion verschlossen bleibt. Wenn die Familie zum Beispiel ein Fest feiert, dann sind die Szenen, die das freudige Treiben dokumentieren sollen, plump und vor allem schlicht inszeniert – ohne Leidenschaft oder filmische Qualität. Wenn ein Streit zwischen Kawa und seiner Frau ausbricht, sind die Emotionen schlecht gefilmt und schlecht gespielt. Dazu zählen auch die Dialoge, die zwar noch lange keine Trashfilm-Qualität besitzen, aber von den mittelmäßigen Darstellern ebenso wenig überzeugend an den Zuschauer getragen werden, wie die Thematik. Am Ende ist es vor allem die unglaublich kurz bemessene Spielzeit von 77 Minuten (!) - die normalerweise nur für Produktionen der Mockbusterschmiede The Asylum oder Uwe Boll reserviert sind – die den belanglosen und zu geradlinigen Plot kaum Leben und Pepp verleiht. So entsteht eine unglaubliche Länge, auch wenn die Realzeit eigentlich viel zu kurz ist.

Thematisch versucht sich Kawa so gut wie möglich an das Thema Coming-Out heranzuwagen. Hier kann man dem Film bei all den handwerklichen Schwächen und zeitlich bedingten Begrenzungen eine gewisse Qualität nicht absprechen, der besonders zum Schluss, welcher weder melodramatisch noch zu kitschig ausfällt, einen ersten richtigen Ton trifft. Problematisch wird es, wenn die Regisseurin eine homophobe Weltsicht an den Tag legt, die für einen solchen Film fatale Auswirkungen hat. Wenn das Thema Homosexualität im Bezug der traditionellen Kultur besonders von Kawas Eltern kritisch und mit vielen Emotionen verhasst wird – dann ist das die eine Seite, die handlungstechnische Ebene, in der die Regisseurin den Konflikt schildern möchte. Wenn aber der typische Schwule ansonsten nur in Badeanstalten verunglimpft wird, in der es freien und willkürlichen Geschlechtsverkehr gibt, dann zeigt das ein einseitiges und respektloses Bild einer sexuellen Einstellung, die wie eine Krankheit behandelt wird. Wenn dann noch der heimliche Liebhaber von Kawa mit einem neuen Lover durchbrennt, setzt der Film sich durch solch einseitige Sichtweisen selbst die Krone auf. So fehlt es dem Film an der nötigen Ausgeglichenheit, der nötigen Tiefgründigkeit und an der thematischen Fairness, was den trashig wirkenden B-Movie zu einem Kino unwürdigen Film macht.

Fazit: Trotz eines interessanten und wichtigen Themas nur ein kaum charmanter B-Movie, den es sich in keinster Weise lohnt im Kino anzusehen. Und auch nicht auf DVD. Dafür sind die 77 Minuten auch viel zu schnell vorbei.





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