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Sieben verdammt lange Tage
Sieben verdammt lange Tage
© Warner Bros.

Kritik: Sieben verdammt lange Tage (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wenn die Familie zusammenkommt, sind Auseinandersetzungen oft nicht weit entfernt. Das ist im Leben nicht anders als auf der Leinwand, wo Verwandtschaftstreffen eigentlich immer kleinere und größere Katastrophen nach sich ziehen. Sehr stark ausgereizt wurde dieses Phänomen erst Anfang 2014 in der Bühnenverfilmung "Im August in Osage County". Einem bitterbösen Kammerspiel, bei dem sich unter anderem Meryl Streep als furienhafte Matriarchin und Julia Roberts in der Rolle ihrer entnervten Tochter gegenüberstanden. Ähnlich wie dort finden sich auch in der Romanadaption "Sieben verdammt lange Tage" einige Geschwister nach dem Tod ihres Vaters im Elternhaus ein und haben schon bald mit innerfamiliären Spannungen und anderen Problemen zu kämpfen.

Als Bindeglied zwischen allen Beteiligten fungiert der bislang stets auf Sicherheit bedachte Judd Altman (Jason Bateman), der nach einem Seitensprung seiner Frau zum ersten Mal richtig angeschlagen ist, seiner Familie das Scheitern seiner Ehe aber noch vorenthalten will. Seine Schwester Wendy (Tina Fey) wiederum erkennt während der Trauerzeit im Elternhaus, dass ihr Mann sie und die Kinder ständig für seinen Beruf vernachlässigt. Beziehungsprobleme hat auch ihr Bruder Paul (Corey Stoll), dessen Ehefrau sich endlich Nachwuchs wünscht und ihn daher mehr und mehr unter Druck setzt. Ganz anders steht es um das Nesthäkchen Phillip (Adam Driver), einen kindsköpfigen Lebemann, der so etwas wie Verantwortung nicht zu kennen scheint und sich von seiner deutlich älteren Freundin aushalten lässt. Ein leicht skurriles Benehmen legt auch die Mutter des Altman-Clans (Jane Fonda) an den Tag, eine erfolgreiche und äußerst offenherzige Psychologin, die sich, zum Entsetzen ihrer Kinder, erst kürzlich einer Brustvergrößerung unterzogen hat.

Vor dem Hintergrund der recht komplizierten Familienstrukturen und der vielen persönlichen Frustrationen artet die vom Verstorbenen gewünschte Totenwache schnell in ein heilloses Durcheinander aus. Emotionen kochen über, alte Konflikte brechen wieder auf, und pikante Geheimnisse finden langsam den Weg an die Oberfläche. All das ist nicht nur ordentlich gespielt und recht schwungvoll inszeniert, sondern bringt auch einige ergreifende und ebenso komische Momente hervor. Etwa, wenn Judd, von seiner Schwester bedrängt, vor der ganzen Verwandtschaft vollkommen aufgebracht preisgibt, warum er ohne seine Frau angereist ist.

Sonderlich innovativ wirken die Plot-Entwicklungen im Gesamtüberblick allerdings nicht. Vielmehr spulen Regisseur Shawn Levy ("Nachts im Museum") und Drehbuchautor Jonathan Tropper, der seinen eigenen Roman adaptierte, die familiären Auseinandersetzungen oft nur routinemäßig herunter und schaffen es dabei zu selten, den verschiedenen Schicksalen der Figuren wirklich gerecht zu werden. Vieles kommt über Andeutungen nicht hinaus, sodass sich, wie bei so manchem Episodenwerk, der Eindruck einer Nummernrevue nicht abschütteln lässt. Etwas schematisch erscheint zudem das recht versöhnliche Finale, das die lehrreichen Erkenntnisse der einzelnen Familienmitglieder bisweilen unnötig plakativ in Szene setzt. Anders als beim ähnlich gelagerten "Im August in Osage County", der deutlich ernüchternder endet, löst sich die anfangs etablierte Reibungsfläche hier fast vollständig auf.

Fazit: Stellenweise amüsante und anrührende Tragikomödie, die insgesamt jedoch zu episodenhaft und konventionell ausfällt, um ein wirklich spannendes Porträt einer dysfunktionalen Familie zeichnen zu können.




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