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Süßes Gift - Hilfe als Geschäft
Süßes Gift - Hilfe als Geschäft
© W-Film

Kritik: Süßes Gift - Hilfe als Geschäft (2012)


Der 1946 geborene Regisseur Peter Heller studierte an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen und arbeitet nach seiner Ausbildung vorrangig für das Fernsehen in Asien und Lateinamerika. Seit 1978 dreht Heller als unabhängiger Autor, Regisseur und Produzent Dokumentarfilme, vorrangig über Afrika. Seit 1998 ist Heller Träger des höchsten europäischen Filmpreises, des „Prix Europa“. „Süßes Gift“ erlebte seine Uraufführung Ende September 2012 auf dem 20. Filmfest Hamburg.

"Süßes Gift" macht auf nachhaltige und erschreckende Weise deutlich, wieso Afrika trotz jahrzehntelanger Entwicklungshilfe wirtschaftlich einfach nicht auf die Beine kommt. Die drei Fallbeispiele, die Heller heranzieht um dem Problem auf den Grund zu gehen, machen schnell deutlich, woran die Hilfe in den meisten Fällen scheitert: die Milliarden, die den Ländern zugeführt werden, schwächen oftmals die heimische Wirtschaft, befördern die Korruption und sorgen für eine zunehmende Lethargie in den Nehmerländern, d.h. die immensen Summen zerstören jegliche Motivation, sich selbst anzustrengen und aus eigener Kraft dem Elend zu entkommen.

Der Film zeigt zunächst einen gigantischen Stausee in Mali, der eigentlich zur Bewässerung von Feldern und Stromerzeugung geschaffen wurde. Im Film wird jedoch deutlich, dass er dafür nicht benutzt wird und dass bei seiner Errichtung ganze Dörfer und Stämme dem Monument geopfert wurden. Die Konsequenz: der Verlust afrikanischer Kultur und Tradition durch die Zerstörung der Dörfer.
Das zweite Beispiel widmet sich einem riesigen Fabrikgebäude in Kenia, in dem ursprünglich getrocknete Fische aufbewahrt werden und die Bewohner der benachbarten Dörfer Arbeit finden sollten. Lange Zeit wurde das Gebäude jedoch nicht so genutzt, wie ursprünglich vorgesehen und erst ein privater ausländischer Investor nutzte das Gebilde als Produktionsstätte und schaffte dort Arbeitsplätze. Aber: Den Arbeitern wird lediglich ein Hungerlohn gezahlt, sie werden auf brutale Art und Weise ausgenutzt.
Im dritten Beispiel geht es um eine Baumwollfabrik in Tansania, die einem Dorf endlich Wohlstand bringen sollte. Teure, gigantische Maschinen für die Fabrik wurden importiert, dann kam es zum Fiasko: der Weltmarktpreis für Baumwolle fiel so tief, dass die Kosten nicht mehr zu decken waren und die Regierung ihre Subventionen vollständig einstellte.

Die drei von Heller gewählten Beispiele veranschaulichen sehr gut, woran die Projekte gescheitert sind, sie sind gut gewählt und stehen exemplarisch für die negativen Folgen der Entwicklungshilfe. Heller lässt dabei die Betroffenen selbst zu Wort kommen und führt Gespräche mit afrikanischen Intellektuellen, Praktikern aber auch mit Entwicklungshelfern, Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen. Heller selbst enthält sich jeglichen Kommentars und lässt die Bilder aus Mali, Kenia und Tansania für sich sprechen. Es sind nüchterne und sachliche Bilder ohne jegliche Emotionen, die verdeutlichen, dass es Heller mit seinem Film einzig um die Sache und die Aussage geht: Afrikas Entwicklung kann nur aus Afrika selbst kommen, durch sinnvollere und gezieltere Investitionen in Landwirtschaft und kleine Betriebe sowie durch bessere Bildung, freien Handel und mehr regionale Wertschöpfung.

Fazit: "Süßes Gift" ist eine nüchterne und unsentimentale Dokumentation, die anhand von drei passend ausgewählten Fallbeispielen auf nachdrückliche Weise verdeutlicht, wieso jahrzehntelange und milliardenschwere Entwicklungshilfe in Afrika nicht zum gewünschten Erfolg führte.





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