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Molière auf dem Fahrrad
Molière auf dem Fahrrad
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Molière auf dem Fahrrad (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Philippe Le Guays Neuinterpretation von Molières Klassiker ist vor allem ein Gipfeltreffen der Schauspielkunst. Lambert Wilson und Fabrice Luchini liefern sich rasante Wortgefechte und nutzen Molières Text für bissige Spitzen gegen das Theater, ihre Branche und sich selbst. Ihre Streitereien über Betonung und Bedeutung werden zu Auseinandersetzungen über ihre jeweiligen Lebensformen und zu einem Austausch von Gemeinheiten, so dass sie den alten Konflikt von Menschenfeind und -freund zum Vergnügen des Zuschauers abermals ausfechten.

Der Film liefert aber nicht nur eine neue Interpretation des Stücks, sondern ist stets auch eine Abhandlung über die Theaterbranche und die Eitelkeiten der Schauspieler. Gauthier will dieses Stück vor allem aus einem Grund inszenieren: Als Fernseharzt beim Publikum beliebt, will er beweisen, dass er auch in anspruchsvollen Rollen reüssieren kann. Das würde ihm endgültig den Ruhm einbringen, den er sich erhofft – und die Anerkennung von kritischen Kollegen wie Serge. Für Serge ist die Rolle des Alceste hingegen nicht nur die anspruchsvollste Rolle, die das französische Theater zu bieten hat, sondern er fühlt sich ihm seelenverwandt. Seine Misogynie ermöglicht ihm, jede Gefühlsregung nachzuempfinden, zugleich glaubt er aber auch, dass er der einzig wahre Interpret dieser Rolle sei. Somit geht es in ihren Gesprächen auch um Eitelkeit und die Sucht nach Anerkennung, die gerade Gauthier zu stillen versucht. Er will jedem gefallen, es möglichst vielen recht machen, sobald er sich aber weniger beliebt fühlt, sorgt er dafür, dass sich die Stimmung ändert. Außerdem besucht er seinen alten Kollegen nicht aus rein altruistischen Motiven, vielmehr scheint er ihn zu brauchen, um die Titelrolle einzustudieren. Dagegen gefällt sich Serge allzu sehr in seinem selbst gewählten Exil und seiner selbst erschaffenen Misogynie. Dennoch trifft die früh behaupte Interpretation des Stücks, der Pessimist sei der wahre Optimist, nicht gänzlich auf ihn zu. Am Ende vollzieht der Film eine Kehrtwende, die auch die gegenteilige Deutung zulässt: Hatte Serge kurze Zeit Hoffnung und ist auf den Gedanken verfallen, sein Leben könnte eine Wendung nehmen, so muss er seine Vorurteile und seinen Pessimismus bestätigt sehen.

Fazit: "Molière auf dem Fahrrad" ist das wortstarke, dialoglastige Zusammentreffen zweier Schauspieler, die das berühmteste Stück des französischen Theaters zum Anlass einer Auseinandersetzung mit ihrer Branche nehmen. Sehenswert.




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