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Erbarmen
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© NFP marketing & distribution © Warner Bros.

Kritik: Erbarmen (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Über acht Millionen Mal haben sich Jussi Adler-Olsens Romane um Kommissar Carl Mørck mittlerweile weltweit verkauft. Eine Verfilmung war daher nur eine Frage der Zeit – und nun startet mit "Erbarmen" die erste Adaption in den deutschen Kinos. Der Plot bleibt eng am Buch: Nachdem bei einem Einsatz ein Kollege gestorben und sein bester Freund Hardy (Troels Lyby) schwer verletzt wurde, leidet Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) unter Depressionen und wird von seinem Chef Jacobsen (Søren Pilmark) in die neu gegründete Sonderabteilung Q abgeschoben. Hier soll er mit seinem Assistenten Assad (Fares Fares) drei Fälle pro Woche möglichst effektiv abschließen. Aber Carl Mørck beißt sich stattdessen an einem Fall fest: Vor Jahren ist die Politikerin Merete Lynggaard (Sonja Richter) von einer Passagierfähre verschwunden. Der einzige Zeuge – ihr Bruder Uffe (Mikkel Boe Følsgaard) – ist geistig behindert und nicht vernehmungsfähig. Die damaligen Ermittlungen führten zu der Annahme, dass Merete Selbstmord begangen hat. Doch Carl Mørck zweifelt an dieser Theorie und rollt den Fall noch einmal auf.

Das Drehbuch stammt von Nikolaj Arcel, der bereits den ersten Teil von Stieg Larssons "Millenium"-Trilogie für die Leinwand adaptierte, und abermals gelingt ihm eine gute Mischung aus Nähe zum Werk und Eigenständigkeit im Film. Dazu tragen vor allem die Kürzungen bei, die Arcel und Regisseur Mikkel Nørgaard an der Romanvorlage vorgenommen haben. Beispielsweise spielt das politische Umfeld von Merete kaum eine Rolle, dadurch fehlen unnötige Verdächtige und falsche Spuren. Auch Merets und Uffes Vorgeschichte enthüllt sich erst im Zuge der Ermittlungen, die dadurch weitaus stärker im Zentrum stehen. Darüber hinaus sorgt eine veränderte Erzählstruktur für mehr Spannung. Sehr früh erfährt der Zuschauer, dass Merete noch lebt und in einem Drucktank gefangen gehalten wird. Mørck und Assad ermitteln somit unwissentlich gegen die Uhr. In einem zweiten Handlungsstrang wird von dem Beginn der Zusammenarbeit und Freundschaft von Mørck und Assad sowie ihren Ermittlungen erzählt. Auf diese Weise erfährt der Zuschauer mehr über die Hintergründe der Tat – und als sich die Handlungsstränge kreuzen, münden sie in einem spannenden Finale.

Gut gespielt von Nikolaj Lee Kaas ("Adams Äpfel", "Illuminati") und Fares Fares ("Safe House", "Easy Money") ist die Freundschaft von Mørck und Assad ein wichtiges Element des Films. Ihre Beziehung ist von Anfang an freundschaftlicher als im Buch, auch scheint Assad nicht ein Hausmeister, sondern ebenfalls Polizist zu sein, für den die Sondereinheit Q die letzte Chance ist. Abgerundet wird die gute Besetzung durch Sonja Richter ("Sons of Norway") als gefangene Merete und Mikkel Boe Følsgaard ("Die Königin und der Leibarzt") als ihr Bruder Uffe.

Insgesamt ist "Erbarmen" daher mit dem von seinem Beruf besessenen Polizisten, einer geschundenen Frauenseele und düsterer Lichtsetzung ein typischer Vertreter des nordic noir. In manchen Szenen brutal – beispielsweise muss sich Merete einen Zahn selbst ziehen, was sehr ausführlich gezeigt wird – fehlt diesem Film insgesamt leider Eigenständigkeit gegenüber anderen skandinavischen Filmen. Aber vielleicht entwickelt sich das noch in der Fortsetzung. Immerhin sollen sowohl "Schändung" als auch "Erlösung" in die deutschen Kinos kommen.

Fazit: "Erbarmen" ist dank des guten Drehbuchs und der guten Besetzung ein gelungener Auftakt der Verfilmungen der Romane von Jussi Adler-Olsen.




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