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Parked - Gestrandet
Parked - Gestrandet
© Dualfilm Verleih

Kritik: Parked - Gestrandet (2010)


Der irische Regisseur Darragh Byrnes dreht seit 1992 Dokumentarfilme fürs Fernsehen. Nun wagt er sich erstmals an einen Spielfilm. Nicht nur für ihn ein Debüt: Auch der Verleih „Dualfilm“ - ein unabhängiger Filmverleih, der seinen Schwerpunkt auf Arthouse- und Nachwuchsfilmen gelegt hat, gibt mit „Parked“ seine Premiere.
Byrnes Werk steckt voller Symbolik, zeugt mit seinen ungeschönten, ungefilterten Bildern von einer schnörkellosen, „Dogma 95“-geprägten Inszenierungstechnik und von der Begeisterung, die in seinem Regisseur steckt.

„Gestrandet“ lautet der deutsche Untertitel zu Byrnes Spielfilmdebüt „Parked“. Dabei passt der Begriff „abgestellt“ viel besser auf die Materie eines Films, der sich der Kritik an einer bürokratischen, menschenunwürdigen Gesellschaft verschreibt und dabei mit viel Sinn für Humor eine dramatische „coming-of-middle-age“ Geschichte erzählt. Eine Geschichte von einer merkwürdigen Nachbarschaft, von einer heimlichen Liebesgeschichte, von einer schweigsamen Einsiedlerseele. Davon handelt „Parked“. Vom Abstellplatz am unteren Ende der Gesellschaft. Einem Parkplatz an einer irischen Küste.

Wie zwei Scheuklappen fungieren die beiden Türfenster, die der Angestellte im irischen Arbeitslosencenter schließen kann, wenn ihm ein Problem mit einem „Kunden“ zu gravierend erscheint. Der ehemalige Uhrmacher Fred Daly kommt jeden Tag hierher um einen Antrag auf Arbeitslosengeld zu stellen. Doch dieser wird ihm verwehrt, weil er keinen Wohnsitz hat. Aber ohne das Arbeitslosengeld kann er sich keinen wirklichen Wohnsitz leisten. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen gibt und aus dem niemand ihm helfen will. Er stellt Anträge, auf denen bald in roten Lettern „Denied“ – Abgelehnt - steht. Dann schließt der Jobcentermitarbeiter mit dem Satz „mehr kann ich für sie wirklich nicht tun“ die Türen zu seinem Infopunkt und verkriecht sich in den Hintergrund. So wohnt Fred, gespielt von Colm Meaney, in seinem Auto. An einer irischen Küste. Das Geld muss er genauestens einteilen.

Vieles dreht sich in „Parked“ um Menschenwürde und um den Preis, den eine Gesellschaft bezahlen muss, wenn sie die ärmste Schicht ihrer Bevölkerung so behandelt, wie sie sie behandelt. Denn nur daran lässt sich eine Gesellschaft messen – wie sie mit den Menschen an ihrem untersten Rand umgeht.

Ohne einen ordentlichen Postzugang kann der Staat keine Nachrichten zustellen. Und so kann kein Arbeitslosengeld gezahlt werden, obwohl Hauptfigur Fred immer Beiträge in das irische Sozialsystem eingezahlt hatte. So wird es Fred in Begleitung seines einzigen Freundes Cathal von einem Sachverständiger erklärt. Aber Fred ist siegessicher. Denn er packt einen Brief aus, mit seiner Anschrift und einer Zustellungsquittung. Sein alter Volvo ist die Adresse, der Parkplatz, die Straße. „Es geht also alles nur um die Anschrift?“

Konventionen umschiffend, funktioniert „Parked“, der vordergründig von einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft erzählt, sowohl als persönliches Drama als auch als Kritik an einer kalten Gesellschaft. Dadurch wird der Zuschauer sowohl emotional angesprochen, wie er sich, beunruhigt über die Zustände (nicht nur in Irland), Gedanken machen wird. Ein ruhiger, ungeschönter Beitrag, der in seiner Symbolik seine Magie entfaltet.

Fazit: In ungeschönter Dogma 95-Optik inszenierter, ruhiger Film, der scharfe Gesellschaftskritik in eine Geschichte über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft verpackt.





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