VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Inherent Vice - Natürliche Mängel
Inherent Vice - Natürliche Mängel
© Warner Bros.

Kritik: Inherent Vice - Natürliche Mängel (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Inherent Vice" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon, einem der großen Unbekannten der US-Literatur. Von ihm existieren kaum Fotos, er meidet jegliche öffentliche Auftritte und wurde sogar in einer Simpsons-Folge nur mit einer Tüte über dem Kopf dargestellt. Pynchon gab Regisseur P.T. Anderson ("Magnolia") persönlich seinen Segen für die Verfilmung seines drogengeschwängerten Romans. Bei den Oscars in diesem jahr ist "Inherent Vice" in zwei Kategorien nominiert, unter anderem für das beste Drehbuch. "Inherent Vice" ist ein wahnwitziger, irrsinniger Trip von einem Film, in seiner Skurrilität und seinem Tempo vielleicht noch am ehesten mit "Fear and Loathing in Las Vegas" zu vergleichen.

"Inherent Vice" lässt das L.A. der frühen 70er wieder auferstehen. Eine Zeit, in der in den USA die Anti-Vietnamkrieg-Protestbewegung auf dem Höhepunkt war, die Themen Umwelt und Frauenrechte öffentlich diskutiert wurden, die Stones, Led Zeppelin und Pink Floyd die Musik-Szene bestimmten und die berüchtigt-brutalen Manson-Morde noch nicht lange her waren. Glaubhaft lässt der Film diese wilde, verrückte Zeit in Ausstattung, Atmosphäre, Sound und Charakterzeichnung wieder auferstehen. Joaquin Phoenix blüht dabei als heruntergekommener Junkie-Detektiv mit Koteletten und fettiger Langhaar-Frisur auf. Überhaupt die Protagonisten / Charaktere: bei ihnen handelt es sich um bizarre, schrullige Gestalten, die allerhand Verrücktes von sich geben - für den Zuschauer dabei sehr oft prächtig unterhaltsam.

So glaubhaft die Ausstattung und so ausgefallen die Darbietungen der Darsteller in ihren absonderlichen Rollen sind: "Inherent Vice" ist auch unlogisch und mit der Zeit auch sehr anstrengend und daher nicht für jeden gleichermaßen geeignet. Dass die Story nur schwer glaubwürdig ist und im Laufe der zunehmenden Filmdauer immer verworrener und schwerer durchschaubar wird: geschenkt. Aber dass der Film immer zwielichtigere Figuren und Personen präsentiert bzw. zeitaufwendig einführt, von denen man nicht weiß, ob sie für die weitere Handlung von Bedeutung sind, machen es für den Zuschauer alles andere als leicht. Ebenso wenig leicht machen es einem die bedeutungsschwangeren, viel zu langen Dialoge, denen man spätestens nach der Hälfte des Films nur noch schwer folgen kann.

Fazit: Drogengeschwängerte, groteske Krimi-Komödie mit dramatischen Untertönen, die mit ihrer bizarren Handlung und den abgehalfterten Figuren an "Fear and Loathing in Las Vegas" erinnert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.