VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Alien: Covenant
Alien: Covenant
© 20th Century Fox

Kritik: Alien: Covenant (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" schuf Ridley Scott im Jahre 1979 einen Klassiker des Science-Fiction-Genres, der durch seine von HR Giger entworfene Albtraum-Kreatur sowie durch seinen fiesen, auch psychoanalytisch interessanten body horror und, nicht zuletzt, durch seine starke, von Sigourney Weaver eindrücklich verkörperte Heldin Ellen Ripley neue Maßstäbe zu setzen vermochte. Nach drei Sequels von anderen Regisseuren sowie diversen Spin-offs im Video-Game- oder Trash-Movie-Gewand und zahllosen Nachahmern begab sich Scott 2012 abermals auf den Regie-Stuhl, um mit "Prometheus – Dunkle Zeichen" die Vorgeschichte seines Werks zu inszenieren. Das Ergebnis geriet streckenweise ziemlich abstrus und verfiel gegen Ende leider in Horror- und SciFi-Klischees, konnte jedoch mit seiner kühlen Ästhetik, seinen Effekten und seiner Besetzung überzeugen.

Ganz ähnlich verhält es sich nun mit "Alien: Covenant", welcher an "Prometheus" anschließt und ebenfalls noch vor den Geschehnissen aus "Alien" spielt: Auch die neue Arbeit des seit beinahe vier Dekaden in Hollywood tätigen Briten ist nicht frei von formelhaften Passagen, die allzu vorhersehbar und deshalb weit entfernt vom Innovationsgeist und vom shock value des Ursprungsfilms aus den 1970er Jahren sind. Wenn Figuren hier mal "austreten" müssen oder sich "frisch machen" wollen, lässt sich das nicht erst seit der Renaissance des Spannungskinos durch den postmodernen Slasher "Scream" (1996) als äußerst fade Methode erkennen, um das Personal rasch zu dezimieren. Wie schon in "Prometheus" handelt die Gruppe von Forscher_innen oft derart töricht, dass es als Zuschauer_in schwerfällt, sie durchweg ernst zu nehmen und wirklich mit diesen Leuten mitzufühlen. Der guts-and-gore-Gehalt ist recht hoch; gleichwohl fehlt in diesen splatter-Partien ein bisschen die Besonderheit, die "Alien: Covenant" von vergleichbaren Werken abheben könnte. Schade ist außerdem, dass der Plot auf einen wenig überraschenden twist hinausläuft, der sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch zu offensichtlich vorbereitet wird.

Dennoch weiß der Film in Teilen durchaus für sich einzunehmen. Zum einen liegt dies an Scotts verlässlichem Gespür für Atmosphäre; sowohl auf dem titelgebenden Raumschiff als auch auf dem fremden Planeten und vor allem in Davids Unterschlupf gelingen dem Regisseur und seinem Kameramann Dariusz Wolski großartige Aufnahmen, die zudem von dem Komponisten Jed Kurzel ("Der Babadook", "Macbeth") mit kongenialen Klängen unterlegt werden. Diverse Situationen verfügen über eine enorme emotionale Spannung – etwa die Sequenz, in welcher sich ein Besatzungsmitglied entscheiden muss, ob es sich heldinnenhaft verhalten oder dem eigenen Wohl den Vorzug geben soll. In diesem Moment wird ein ethisches Dilemma sehr klug und mitreißend vor Augen geführt – und auch an anderen Stellen werden Themen wie Herkunft und Verantwortung, Liebe und Pflicht, Religion und Wissenschaft, Schöpfung und Zerstörung reizvoll behandelt. Zum anderen kann "Alien: Covenant" schauspielerisch weitgehend überzeugen. Michael Fassbender bewältigt seine Doppelrolle als Walter und David mit Bravour: Erneut entfaltet er einen seltsamen Androidencharme – und agiert wunderbar ambivalent. Ebenso hinterlässt der unterschätzte Billy Crudup ("Watchmen") als gläubiger (Ersatz-)Captain einen tiefen Eindruck. Katherine Waterston ("Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind") liefert als Ellen-Ripley-Nachfolgerin (beziehungsweise -Vorgängerin) zwar eine solide Performance, kann allerdings nicht an Weavers Präsenz und Ausstrahlung heranreichen.

Fazit: Ein audiovisuell beeindruckendes Erlebnis mit spannungsvollen Passagen und gutem Ensemble, das jedoch viele Klischees, kaum originellen splatter und eine müde Schlusswendung enthält.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.