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Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld
Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld
© Real Fiction

Kritik: Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld (2012)


Mit "Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld" erwartet uns nach "The Artist" zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Hommage an den Stummfilm.
Der Regisseur Miguel Gomes erzählt in seinem Film eigentlich zwei Geschichten und teilt seinen Film so auch in zwei Teile ein. Im ersten erzählt er die Geschichte dreier Frauen, die in gewissen Beziehungen zueinander stehen. Die sozial engagierte Rentnerin Pilar, die sich aufopfernd um ihre alternde Nachbarin Aurora kümmert, während diese paranoide Züge an den Tag legt und ihre kapverdische Haushälterin des Diebstahls und der Hexerei bezichtigt. Im zweiten Teil wird dann die Geschichte der jungen Aurora erzählt, die im kolonialen Afrika aufwuchs. Im Mittelpunkt steht die verbotene Liebe der verheirateten Aurora zu dem Draufgänger Ventura.
Auch der erste Teil wurde in Schwarz-Weiß gedreht, hält sich allerdings weitestgehend an die Konventionen des klassischen Erzählkinos. Erst mit Beginn des zweiten Teils wechselt Gomes zum Stummfilm. Anstatt der üblichen 35 Millimeter, auf nunmehr 16 Millimetern gedreht, folgt man der Geschichte, die somit etwas Historisches bekommt. Nur eine Erzählstimme aus dem Off liest die Briefe zwischen den beiden Protagonisten vor.
Hier liegt die Stärke des Films. Ist der erste Teil wenig aussagekräftig und auch bis zum Schluss nicht wirklich wichtig für die Erzählung, nimmt uns der zweite Teil mit in eine Zeit, die längst vergessen scheint. Sie zeigt eine weiße Gesellschaft auf dem afrikanischen Kontinent, in der die schwarze Bevölkerung nur Requisite zu sein scheint. Die theatralische Darstellungsform des Stummfilms betont dabei die Selbstherrlichkeit der Kolonialisten. Das ist wohl auch der Grund, dass man nur wenig Sympathie für die Charaktere entwickelt. Somit ist der Film auch Erinnerung an ein langes Kapitel europäischer Kolonialpolitik, das viel zu schnell in Vergessenheit geraten ist. Mit einem Augenzwinkern ist dann zu verstehen, dass der Mord im Finale des "weißen" Liebesdramas der Auslöser des afrikanischen Unabhängigkeitskampfes wird.

Mit der Wahl des Titels beruft sich Gomes auf eine Ikone der Stummfilmära, Friedrich Wilhelm Murnau, dessen letzter Film aus dem Jahre 1931 auch den Titel "Tabu" trug. "Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld" gewann bei der Berlinale 2012 den Alfred-Bauer-Preis. Dieser Preis wird an Filme vergeben, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen. Das ist Miguel Gomes gelungen.

Fazit: Mit "Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld" zeigt Miguel Gomes gekonnt, dass der Stummfilm als Stilmittel eine Zukunft haben kann. Leider ist der erste Teil des Films etwas langatmig.




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