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Hai-Alarm am Müggelsee - Hauptplakat
Hai-Alarm am Müggelsee - Hauptplakat
© X Verleih

Kritik: Hai-Alarm am Müggelsee (2012)


Der Kult-Autor Sven Regener und der ostdeutsche Regisseur und Schauspieler Leander Haußmann kennen sich seit der großartigen Verfilmung des Regener-Bestsellers "Herr Lehmann" von 2003. Für "Hai-Alarm am Müggelsee" haben die Beiden nun wieder zusammengefunden. Für ihre trashige Anarcho-Komödie konnten die beiden eine erstklassige Riege namhafter deutscher Schauspieler gewinnen: von Henry Hübchen und Detlev Buck über Benno Führmann und Michael Gwisdek bis hin zu Annika Kuhl und Tom Schilling. Herausgekommen ist eine herrlich verschrobene, chaotische Mischung aus Provinz-Posse und Gag-Feuerwerk, die blendend unterhält, obwohl sie nicht nur einmal weit über das Ziel hinausschießt.

Allein diese Szenen machen das verrückte Chaos deutlich, in dem die Groteske "Hai-Alarm am Müggelsee" mit diebischer Freude ein ausgedehntes Bad nimmt: ein alles andere als gut gebauter, eher müde und träge wirkender Bademeister steht im trüben Berliner Müggelsee, taucht mit der rechten Hand unter Wasser – und verfügt wenige Sekunden später lediglich nur noch über einen wild blutenden Stumpf, wo sich einst die Hand befand. Wenige Augenblicke später vertreiben sich zwei Taucher mit der gefundenen Hand die Zeit, indem sie diese – als Ball-Ersatz – hin- und her werfen. In diesen wenigen Szenen lässt sich der skurrile, makabere Humor bereits erkennen, der sich durch den gesamten Film zieht. Freunde absurder, sinnfreier Späße und Einfälle, werden hier ihren Spaß haben und voll auf ihre Kosten kommen. Für wen die beschriebene, blutige Szene aber bereits zu weit geht, sollte sich den Gang ins Kino lieber sparen. "Hai-Alarm am Müggelsee" ist voller derber Zoten und körperbetontem Brachial-Humor (Benno Fürmann versucht mit einem Hammer eine Kamera zu zerschlagen) und die Darsteller agieren dabei stets mit grenzenloser Spielfreude.

Inhaltlich hangelt sich der Film freilich an Spielbergs Klassiker "Der weiße Hai" entlang, mit dem Unterschied, dass sich die unheimlichen Ereignisse nicht in einem fiktiven US-Seebad sondern im real existierenden Berliner Müggelsee abspielen. Insofern verstehen Regener und Haußmann ihren Film auch als typisch Berliner Antwort und Parodie auf die Vielzahl an Trash-TV-Formaten und Event-Movies, die in den letzten Jahren (leider viel zu häufig) über die deutschen Bildschirme flimmerten ("Hai-Alarm auf Mallorca", "Bermuda-Dreieck Nordsee"). Und typisch Berlin deshalb, weil der Film durchzogen ist von urbanem Witz, einer derben Schnoddrigkeit und einer gehörigen Portion Lokalkolorit. Das alles unterhält blendend, vorausgesetzt, man lässt sich auf den Spaß ein und nimmt das Gezeigte nicht allzu ernst.

Fazit: "Hai-Alarm am Müggelsee" verbindet derben Anarcho-Humor und vergnügliches Lokalkolorit zu einer grotesken "Eventfilm"-Parodie.




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