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Königin der Wüste
Königin der Wüste
© Prokino

Kritik: Königin der Wüste (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die von der Geschichte fast vergessene Gertrude Stein gilt in der arabischen Welt bis heute als die einzige westliche Person, die deren Kultur wirklich verstanden hat. Die smarte Dame ist von ihrer Bedeutung her "der wahre Lawrence von Arabien". Letzterer erscheint in Werner Herzogs "Queen of the Desert" als ein ausgerechnet von Ex-Twilight-Vampir Robert Pattinson gespielter und recht seltsam kostümierter Hampelmann. Auch James Franco in der Rolle von Gertrudes großer Liebe Henry Cadogan ist eine eher lächerliche Erscheinung. Lachhaft kitschig ist auch die ganze suckersüße Liebesgeschichte zwischen Henry und Gertrud. Wenn sich die beiden poetischen Gemüter zum gemeinsamen Lesen alter arabischer Gedichte unter dem freien Wüstenhimmel treffen, rinnt der Leinwand der von der unerbittlichen Wüstensonne erweichte Schmalz aus jeder einzelnen Pore. Ein Schelm, wer bei diesem Schauspiel denkt, dass sich der alte grantige Knochen Werner Herzog hier einen kleinen Spaß erlauben würde.

Überhaupt ist "Queen of the Desert" ein Film auf dem zweiten Blick. Das fade Historendrama mit einer faden Nicole Kidman als vermeintlich taffe Gertrud Stein und noch faderen Hampelmännern in den Nebenrollen mag nicht wirklich zu fesseln. Auch die wie eine Karawane überladener Dromedare in der Hitze der Wüste sich zäh dahinschleppende Handlung wirkt über eine Dauer von zwei Stunden doch recht ermattend. Aber immerhin ist es sehr schön dieser Karawane zuzusehen. So lasch die Geschichte, so kraftvoll sind die Bilder, die der gnorrige Altmeister mit weitausladener Geste auf die Kinoleinwand wirft. Da gibt es zahlreiche Einstellungen, wie den Blick von oben auf die sich mühsam ihren Weg durch die Wüste vorankämpfende Karawane, die einerseits sämtliche Klischees von Wüstenabenteuerfilmen in sich vereinen und die zugleich wesentlich elaborierter und wuchtiger sind. Ob sind es eher kleinere Details, wie unverhofft auftauchende garstige Geier oder ein unwirscher Wüsten-Post-Beduide, die einen Hauch von "Fitzcarraldo"-Wahnsinn in dieses maue Hollywood-Epos hineinbringen, das ansonsten so glatt und konturlos, wie die hier gezeigten Wüstendünen ist.

Fazit: Dies ist ein sehr seichtes Hollywood-Historienepos, dass mit einer kräftigen Priese Werner-Herzog-Wahnsinn gewürzt ist. Das Ergebnis bleibt halbgar.





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