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Paradies: Hoffnung - Plakat
Paradies: Hoffnung - Plakat
© Neue Visionen

Kritik: Paradies: Hoffnung (2012)


"Paradies: Hoffnung" ist der unterhaltsamste der drei Teile – und zugleich der traurigste. Melanie ist erst 13 Jahre alt und darf daher Hoffnung haben, jedoch wird sie ständig enttäuscht. Sie ist in einer gleichförmigen Umgebung, die ihr – bei aller gutmeinenden Absicht – kaum dabei hilft, eine starke Persönlichkeit zu formen. Dort wird Wert auf Disziplin gelegt, verleidet Drill und Kontrolle jegliche Freude an Sport und Essen. Diesen Alltag zeigt Seidl in entlarvenden, komischen und auch traurigen Bildern: Die Kinder marschieren in zwei Reihen in einem gegenläufigen Entenmarsch aneinander vorbei, sie müssen sich aufstellen und durchzählen. Hier enttarnt Seidl die mitunter entwürdigenden Maßnahmen als auch die Gleichmütigkeit, mit der die Jugendlichen diese Methoden ertragen. Letztlich benehmen sie sich nämlich wie Teenager in einem Ferien-Camp: Sie lachen und feiern zusammen, verstoßen gegen Regeln und unterhalten sich vor allem über die Liebe und Sex. Dabei verdankt es Ulrich Seidl seinen großartigen Darstellern und insbesondere der jungen Melanie Lenz, dass dieser Alltag in jeder Szene authentisch wirkt.

"Paradies: Hoffnung" schlägt einen guten Bogen zu "Paradies: Liebe" und verleiht manchen der Szenen aus dem ersten Film im Nachhinein einen herzzerbrechenden Tenor. Wirkte Melanie im ersten Teil noch wie eine gelangweilte 13-jährige, die sich hauptsächlich für ihr Mobiltelefon interessiert, so werden in diesem Film nun ihr Innenleben und ihre Gefühle deutlich. Sie ist ein junges Mädchen, das auf Liebe hofft. Dass diese Hoffnung letztlich enttäuscht wird, erscheint fast zwangsläufig. Dabei verliert sich Melanie einen Augenblick lang, trinkt zu viel, wird beinahe vergewaltigt und landet schließlich auf einer Lichtung im Wald. Dort liegt sie wie eine schlafende Schönheit von Nebel umgeben. Sie wirkt hier eins mit der Natur, ist aber tatsächlich vom Alkohol betäubt eingeschlafen. Das durchzieht – wie das Verhalten des Arztes, der bei ihr ist – diese berührend-schöne Szene mit einem Hauch Tragik und Perversität. Melanie wird aus diesem Camp mit einigen Enttäuschungen zurückkehren, aber das Leben geht weiter. Und so bleibt ihr am Ende womöglich nur das Lied, das in dem Diät-Camp gesungen wird: "If you’re happy and you know it, and you really want to show it, clap your fat!".

Fazit: Mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin und eindrucksvollen Bildern ist "Paradies: Hoffnung" der unterhaltsamste, aber auch traurigste Teil von Ulrich Seidls Trilogie.





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