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Kritik: Yossi (2012)


Zehn Jahre ist es her, dass Yossi Hoffmann (Ohad Knoller) seinen Geliebten Jagger auf tragische Weise verlor. Seit dem schmerzlichen Verlust, hat sich Yossi mehr und mehr in seine Arbeit als Kardiologe geflüchtet und sein Privatleben praktisch völlig aufgegeben. Zu groß ist der Schmerz, zu sehr vermisst er seinen über alles geliebten Lebensgefährten. Auf Drängen eines Arbeitskollegen, nimmt Yossi dann das erste Mal seit einer Ewigkeit wieder Urlaub. Er fährt in den Süden nach Eilat, einer idyllischen Kleinstadt am Meer. Bereits kurz nach seiner Ankunft, lernt Yossi den charismatischen und lebensfrohen Tom (Oz Zehavi) kennen, der zu einer Gruppe junger israelischer Offiziere gehört. Tom geht im Gegensatz zu Yossi offen und selbstbewusst mit seiner Sexualität um. Die Begegnung mit Tom vermag verloren geglaubte Lebensgeister in Yossi zu wecken. Geht es für Yossi nun endlich wieder bergauf?

„Yossi“ stammt von dem israelischen Filmemacher Eytan Fox, der hier den direkten Nachfolger seines Erfolgsfilm „Yossi und Jagger“ von 2002 präsentiert. „Yossi und Jagger“ entwickelte sich nicht nur in schwulen Kreisen zu einem absoluten Kult-Film, der von der Kritik frenetisch gefeiert wurde. Wieder mit Ohad Knoller in der Hauptrolle, knüpft „Yossi“ an die Ereignisse aus dem Vorgänger an und präsentiert eine um zehn Jahre gealterte Hauptfigur, die den Tod des Geliebten nach all den Jahren noch immer nicht verwunden hat. Der Film feierte 2012 auf dem „Tribeca Film Festival“ in New York City seine Premiere. Er gehörte zu den 46 Filmen aus 5950 Einreichungen, die die Jury für das Programm des Festivals ausgesucht hat. Regisseur Fox legt mit „Yossi“ einen tiefgreifenden, berührenden Liebesfilm vor, der dem Erstling ins nichts nachsteht.

Mehr noch als in „Yossi und Jagger“ wird der Film von der einfühlsamen Darstellung des Yossi durch den großartigen Ohad Knoller getragen. Yossi gefällt besonders durch seine natürliche, unverstellte Art, die ihm beim Zuschauer schnell Pluspunkte bringt. Selbst wenn man den ersten Teil nicht gesehen hat, wächst einem die (nach all den Jahren auch ein wenig pummeliger gewordene) kuschelige Hauptfigur mit dem Hundeblick schnell ans Herz. Es ist die emotionale, bewegende Darbietung der tiefen Trauer und des unendlichen Schmerzes nach dem Verlust der großen Liebe, die einen bei „Yossi“ berührt und mitten ins Herz trifft. Man leidet mit Yossi, der zwar beruflich sehr gut dasteht und als Kardiologe gute Arbeit leistet, aber nach Dienstschluss alleine in seiner Wohnung in tiefe Depressionen verfällt.

Die Stimmung von Yossi und des gesamten Films wendet sich mit Auftreten von Tom, dem gutaussehenden, selbstsicheren Offizier, den Yossi während seines Urlaubs am Meer kennenlernt. Der Zuschauer wird Zeuge, wie die sympathische Hauptfigur langsam wieder gefallen am Leben und vor allem auch an Tom findet. Der Film vollzieht somit einen Wandel von einem extrem schwermütigen Drama über die Bewältigung von Trauer und Schmerz hin zu einem lebensbejahenden Liebesfilm über eine neue, frische Liebe. Regisseur Fox verliert dabei nie den leisen Humor des Vorgängers aus den Augen und liefert mit „Yossi“ alles in allem einen würdigen Nachfolger des Kultfilms „Yossi und Jagger“ ab.

Fazit: Mit „Yossi“ gelingt Regisseur Eytan Fox eine berührende, mit leisem Humor ausgestatte Fortsetzung des Queer-Cinema-Klassikers „Yossi und Jagger“, die vor allem durch die darstellerische Brillanz von Ohad Knoller zu überzeugen weiß.





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