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Kritik: Mama (2013)


"Mama" ist das Langfilmdebüt des argentinischen Filmemachers Andres Muschietti, der hier seinen eigenen Kurzfilm neu inszenierte, mit dem er 2008 auf diversen Internet-Portalen für Aufsehen sorgte. Für die Produktion konnte Muschietti mit Mexikos Horror-Spezi Guillermo del Toro ("Hellboy", "Pans Labyrinth") zudem einen äußerst prominenten Förderer gewinnen. Del Toro zeigte sich schon 2008 vom Kurzfilm "Mama" begeistert. In den Vereinigten Staaten landeten die Macher im vergangenen Jahr mit dem Film einen kommerziellen Volltreffer. 2012 spielte die 15 Millionen Dollar teure, spanisch-kanadische Co-Produktion über 70 Millionen Dollar ein und entwickelte sich zum erfolgreichsten Horror-Film des Jahres. Auch in Deutschland wird der Film sicher sein Publikum finden und Genre-Fans in die Kinos locken, die sich bei "Mama" auf einen grundsoliden, altmodischen Horrorfilm klassischer Machart freuen dürfen. Seine leichten dramaturgischen Schwächen und die ab der Hälfte einsetzende Vorhersehbarkeit der Ereignisse gleicht er durch die enorm spannende erste Filmhälfte, gezielte Schockmomente und die schauerliche Optik der titelgebenden Hauptfigur aus.

Besonders beklemmend ist der Film immer dann, wenn sich das Grauen in Form des gruseligen Rachegeists, den die beiden kleinen Mädchen Victoria und Lilly "Mama" nennen, nur andeutet. Wenn lediglich huschende Schatten, wackelnde Kronleuchter und knarzende Dielen vom Horror in den eigenen vier Wänden künden. Regisseur Muschietti geht die erste Stunde äußerst geschickt vor und lässt sich lange Zeit, bis er seinen Geist zum ersten mal detailliert zeigt. Bis es nämlich soweit ist, lassen verhuschte Bilder von dem unheimlichen Wesen lediglich erahnen, wie schockierend der Anblick von Mama sein muss. Sobald Muschietti in der zweiten Hälfte den Geist jedoch immer häufiger auftauchen lässt und ihn immer deutlicher ins Bild rückt, desto mehr geht von der beklemmenden Atmosphäre und bedrückenden Spannung vom Anfang verloren. Dennoch verfügt der Film zu jeder Zeit über ausreichende, gezielt gestreute Schockmomente.

Einen bemerkenswerten optischen Eindruck hinterlässt die titelgebende Figur dennoch, selbst wenn sie nach der ersten Stunde aufgrund der Häufigkeit ihres Erscheinens doch einiges an Schrecken einbüßt. In die Rolle von Mama schlüpfte der unter einer seltenen Bindegewebserkrankung (Marfan-Syndrom) leidende, zwei Meter große Schauspieler Javier Botet, der bereits in der [•REC]-Reihe als deformiertes, Furcht einflößendes Wesen zu sehen war. Sein extremes Untergewicht und seine ungewöhnlich langen Gliedmaßen setzt er auch in "Mama" wieder ein, um beim Zuschauer Furcht und Schrecken auszulösen, was ihm zu weiten Teilen auch gelingt. Zwar spielt "Mama" immer wieder auch mit altbekannten und genreüblichen Andeutungen und Elementen, die Ereignisse gestalten sich vor allem im letzten Drittel als arg vorhersehbar und das Ende kommt ein wenig zu gefühlsduselig daher – dennoch: für Fans atmosphärischer Grusel-Streifen wie der "Ring"-Reihe oder "Dark Water" (2002) lohnt sich der Kino-Eintritt allemal.

Fazit: Zwar geht dem mit subtiler Spannung und gezielt eingesetzten Schockmomenten garnierten Geister-Horror "Mama" in der zweiten Hälfte ein wenig die Puste aus, dennoch sorgt vor allem die schauerliche Optik der titelgebenden Hauptfigur für echten Grusel.





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