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Das Lied des Lebens - Poster
Das Lied des Lebens - Poster
© Christa marek/Lichtfilm

Kritik: Das Lied des Lebens (2012)


Vor knapp zwei Jahren initiierte der in Köln lebende Musiker und Komponist Bernhard König das künstlerische und soziale Musik-Projekt „Alte Stimmen“. Mit diesem Projekt richtete sich König an alle Menschen, die bereits die 70 hinter sich gelassen haben und die Lust auf und Freude am Musizieren und gemeinschaftlichen Singen im Alter haben. Bei „Alte Stimmen“ geht es jedoch nicht bloß darum, bekannte Lieder nachzuspielen oder neu aufzulegen. König will mit den singenden Senioren etwas völlig Neuartiges kreieren. Zu diesem Zweck führte König im Stuttgarter Generationenzentrum Sonnenberg biographische Interviews mit den Senioren, um deren persönlichen Träumen und Traumata nachzuspüren, aus denen er jeweils „Lieder des Lebens“ erschafft. Es geht dabei um Lieder, die in der eigenen Biographie der Menschen verankert sind und für eine ganz besondere Geschichte, Erinnerung oder ein Gefühl stehen. Noch wesentlich mehr als beim bloßen Berichten über diese Ereignisse, kommen in diesen Lebensliedern sehr intensive Emotionen zum Ausdruck. König sorgt mit seiner Arbeit und dem Projekt dafür, dass aus bedrückten, oft einsamen Senioren Menschen werden, die durch die Musik dem Leben neue Facetten abgewinnen und wieder mehr Lebensfreude empfinden können.

In „Das Lied des Lebens“ begleiten die Filmemacher den Musiker und Gründer des Projektes „Alte Stimmen“, Bernhard König, hautnah bei seiner Arbeit mit den Senioren. Der Zuschauer wird Zeuge, wird die oftmals erstarrten, bedrückten Menschen durch das Singen und Musizieren neuen Lebensmus gewinnen und regelrecht über sich hinauswachsen. Die Kamera ist dabei stets ganz dicht bei König, der sich dem Projekt mit Hingabe und viel Leidenschaft widmet. Die Lebensgeschichten und Schicksale, die König dabei zu hören bekommt, gehen zu Herzen und halten emotionale Tiefe sowie Überraschungen sowohl für König als auch den Zuschauer bereit. Es sind bewegende, packende Geschichten die König in eine musikalische Form, in das jeweilige „Lied des Lebens“, übersetzt.

Da ist z.B. die78jährige Magdalena Reisinger, bei der das Lied „Kann denn Liebe Sünde sein“ ganz besonders intensive Gefühle auslöst. Riesinger wurde mit 14 Jahren schwanger, wofür sie in ihrem Dorf geächtet und von der Mutter täglich mit Schlägen bedacht wurde. Mit 15 brachte sie dann eine gesunde Tochter zur Welt. Dieses prägende Erlebnis nutzt König als Ausgangspunkt, das ganz persönliche „Lied des Lebens“ von Riesinger zu komponieren. Da ist zum anderen eine erblindete Psychologin, die am Klavier aufblüht, mit König gemeinsam voller Energie und Elan die Tasten zum Schwingen bringt und am Ende sogar in der Essener Philharmonie auftreten darf. Oder ein halbseitig gelähmter Akkordeonspieler, der beim Musizieren mit dem virtuosen Quartett „Uwaga“ zu neuer Vitalität findet. Und dann ist da noch Alfred Adamszak, der mit 91 Jahren älteste Chorsänger, der schlimme Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und den Verlust zahlreicher geliebter Menschen verarbeiten musste. Auch diese Biographie nimmt König zum Anlass, um das ganz individuelle, auf Adamszak zugeschnittene Lebenslied zu komponieren.

Ganz gleich um welche Person oder Lebensgeschichte es geht: Es ist stets spannend und bewegend zugleich, Bernhard König bei der intensiven Zusammenarbeit mit den Senioren zu beobachten und der Entstehung dieser ganz persönlichen Lieder und Musik beizuwohnen.

Fazit: „Das Lied des Lebens“ ist eine bewegende und intensive Dokumentation, die beweist, dass Lebensfreude und Energie durch Musik und Singen auch noch im hohen Alter freigesetzt werden können.





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