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Kritik: Hannas Reise (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Hannas Reise" ist der neueste Film von Julia von Heinz, die zwischen 2005 und 2006 künstlerische Mitarbeiterin von Filmemacher Rosa von Praunheim an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg war. Für ihr Regie-Debüt "Was am Ende zählt" gewann von Heinz 2007 den Deutschen Filmpreis. Mit dem Erfolg von "Hanni und Nanni 2" bewies sie 2011 ihr Talent auch im Bereich des massenwirksamen Kommerzkinos. Dank eines blendend aufgelegten Casts und der richtigen Dosis an politisch unkorrekten, humorvollen Einschüben, gelingt ihr mit "Hannas Reise" eine sympathische Romantik-Komödie mit gelungenen "Culture-Clash"-Elementen. Und obwohl der Film am Ende inhaltlich ein wenig überfrachtet daherkommt, bietet er kurzweilige, intelligente Unterhaltung über das komplexe Thema der deutsch-israelischen Beziehungen und Vergangenheitsbewältigung.

Die Themen "Holocaust" und "deutsch-israelische Beziehungen" sind nicht gerade selten der zentrale Inhalt von Filmen aus den unterschiedlichsten Genres. Julia von Heinz gelingt es in ihrer mit "Culture Clash"-Elementen angereicherten Romantik-Komödie, diesem bereits dutzendfach filmisch bearbeitetem Inhalt, neue, interessante Facetten abzugewinnen. Dies liegt in erster Linie an den zynischen Dialogen und den schwarz-humorigen Bemerkungen zum Nationalsozialismus und Holocaust. Wenn der attraktive Itay zusammen mit seinem Kumpel die Chancen für einen One-Night-Stand mit Hanna durch dekliniert, unterscheidet sich "Hannas Reise" angenehm von dem sonst üblichen Betroffenheitskino, das oftmals zum Vorschein kommt, wenn es um die bereits erwähnten heiklen, komplizierten Themen geht. Die vor überzogenem Selbstbewusstsein strotzenden Kommentare (z.B. "Deutsche Mädchen sind leicht rumzukriegen", "Klar, der Schuldkomplex") von Itay, zeugen von jenem zynischem Wortwitz, der auch an anderen Stellen des Films immer wieder zu Tage tritt.

Ein weiteres großes Plus: die Darsteller. Die Chemie zwischen Karoline Schuch und Doron Amit stimmt, ihr Umgang miteinander und die sich langsam anbahnende zärtliche Liebelei wirken weder aufgesetzt noch gekünstelt. Vor allem Karoline Schuch vermag es ohne große Probleme, ihrer Figur Wahrhaftigkeit und Charakter einzuverleiben. Einzige Schwäche des ansonsten schnörkellos stimmig inszenierten, die richtige Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit bietenden Films: am Ende wirkt er aufgrund einiger Nebenhandlungen und inhaltlicher Einschübe ein wenig überladen. So hätte Regisseurin von Heinz z.B. darauf verzichten können, mit der Verstrickung von Hannas Großeltern in das NS-Regime und die - Gräueltaten, ein weiteres dramaturgisches Fass aufzumachen.

Fazit: Starke Darsteller und eine ausgewogene, stimmige Mischung aus gefühlvoller Liebesgeschichte, Humor und ernsten Tönen, macht aus "Hannas Reise" eine sympathische, sehenswerte Romantik-Komödie - und die inhaltliche Überfrachtung schnell vergessen.




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