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München in Indien - Plakat
München in Indien - Plakat
© Konzept + Dialog. Medienproduktion

Kritik: München in Indien (2012)


Die Dokumentation "München in Indien" erzählt die ebenso spannende wie außergewöhnliche Lebensgeschichte des deutschen Kunstmalers Fritz-München, der sich in den 30er-Jahren als Hofmaler der indischen Maharajas etablierte – bis heute der einzige Deutsche, dem dies gelang. .

Eigentlich hieß der Künstler Hannes Fritz und arbeitete als Banker in München. Mitte der 20er-Jahre entschloss er sich, seinen sicheren Job aufzugeben, und Kunstmaler zu werden. Er legte sich das Pseudonym Fritz-München zu und veröffentlichte ab 1930 seine Werke nur noch unter diesem Namen. Als die Nazis zu Beginn der 30er-Jahre immer mehr an Einfluss gewannen, entschied sich Fritz-München, Deutschland zu verlassen und den indischen Subkontinent zu bereisen. Von 1932 bis 1937 durchquerte er Indien und wurde bald zum Hofmaler der indischen Großfürsten, der Maharajas. Bis heute gelang dies keinem weiteren Deutschen. Das Besondere an Fritz-Münchens abenteuerlicher Reise durch Indien: der Künstler bereiste das Land mit seiner 16mm Filmkamera, mit der er seine Eindrücke und wichtige Ereignisse in diesen Jahren für die Nachwelt festhielt. .

Diese wertvollen Aufnahmen sind es auch, die den größten Reiz an Walter Steffens Dokumentation "München in Indien" ausmachen. Der Film begleitet Konstantin Fritz, Fritz-Münchens Enkelsohn, auf seiner Reise nach Indien. Dort begibt er sich auf die Suche nach Spuren und Bildern des Großvaters. Konstantin Fritz lässt sich dabei von den Tagebucheinträgen und den großartigen Filmaufnahmen von Fritz-München leiten. Die beeindruckenden Bilder zeugen von einem längst vergangenen, kolonialen Indien. Der Zuschauer wird Zeuge, wie prunk- und prachtvoll es sich damals an den Fürstenhöfen lebte. Die Aufnahmen zeigen den Luxus, in dem die Maharajas damals schwelgten und an dem Fritz-München – als Mitglied des Fürstenhofes – auch ein Stück teilhaben durfte. Fritz-München hielt mit seiner Kamera aber auch immer wieder Orte und Gegenden fest, die geprägt waren von großer Armut und dem täglichen Kampf ums Überleben. Auf diese Weise entstand ein umfassendes, spannendes Bild vom Leben im Indien 30er-Jahre, das immer wieder von besonderen Ereignissen unterbrochen wurde: so nahm Fritz-München z.B. auch den kurzen Moment auf, in dem er den Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Mahatma Gandhi, begegnete. .

Demgegenüber stellt Konstantin Fritz die Bilder des heutigen, modernen Indiens, das sich durch Hightech und Global-Player auszeichnet. Der Enkel lässt sich auf seiner Reise von den detaillierten Tagebucheinträgen leiten, die ihn u.a. an die Orte führen, an denen Fritz-München in den 30er-Jahren wirkte. So gelingt es ihm auch, die Porträts und Original-Bilder von Fritz-München ausfindig zu machen, die bis heute von den Nachfahren der damaligen Maharajas wie ein Schatz gehütet werden. "München in Indien" lässt zudem die Söhne Fritz-Münchens ausgiebig zu Wort kommen, die durch ihre umfassenden Schilderungen der Person hinter dem Künstler ein Gesicht geben.

Fazit: "München in Indien" verbindet auf fesselnde Weise Roadmovie und Dokumentation und überzeugt vor allem durch die historischen Filmaufnahmen eines kolonialen, längst vergangenen Indiens.




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