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Words and Pictures
Words and Pictures
© Senator Film

Kritik: Words and Pictures (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Sind Bilder Worten wirklich überlegen, wie ein bekanntes Sprichwort postuliert? Oder handelt es sich dabei bloß um eine billige Vereinfachung? Fragen, die gerade im Hinblick auf das Kino großen Reiz besitzen, da die Filmkunst beide Elemente zusammenführt. Fred Schepisis Tragikomödie "Words and Pictures" spürt dem Verhältnis von Sprache und Malerei nach, nutzt seine Prämisse allerdings in erster Linie, um von zwei vereinsamten Menschen zu erzählen, die sich leidenschaftlich streiten, gegenseitig anspornen und schließlich unerwartet zueinander finden.

Auf der einen Seite steht Jack Marcus (Clive Owen), ein einst gefeierter Autor, der seine Kreativität verloren hat, mittlerweile als Englischlehrer arbeitet und den Frust über sein eingefahrenes Leben im Alkohol ertränkt. Auf der anderen Seite Dina Delsanto (Juliette Binoche), eine bekannte Malerin, die aufgrund einer hartnäckigen Rheumaerkrankung nur noch selten ihrer Profession nachgehen kann und daher eine Stelle als Kunstlehrerin antritt. Gleich bei ihrer ersten Begegnung rasseln die beiden aneinander und legen damit den Boden für einen Wettstreit, der schon bald die ganze Schule in seinen Bann schlägt. Nachdem Dina in einer ihrer ersten Stunden die Unzulänglichkeit der Sprache angeprangert hat, fühlt sich ihr Englischkollege herausgefordert. Er will beweisen, dass Worte bedeutsamer als Bilder sind, und hofft mit seinem neuen Engagement, bei der misslaunigen Schulleitung punkten zu können. Was er auch dringend nötig hat, denn die Verantwortlichen denken laut über seine Kündigung nach.

Um maximales Konfliktpotenzial herzustellen, stattet Drehbuchautor Gerald Di Pego seine Hauptfiguren mit extremen Eigenschaften aus. Während Jack trotz aller Enttäuschungen nach wie vor für die Literatur brennt und seine Umwelt mit seinem lexikalischen Wissen regelrecht bombardiert, präsentiert sich Dina als spöttisch-unnahbare Künstlerin, die der Sprache nur wenig abgewinnen kann. Eine Konfrontation ist unausweichlich und zieht eine Reihe biestig-ironischer Wortgefechte nach sich, die klassische Screwball-Stimmung aufkommen lassen. Binoche und Owen legen dabei nicht nur große Spielfreude, sondern auch ein erfreuliches Tempo an den Tag.

Dass sich die beiden Streithähne eigentlich recht ähnlich sind, unterstreichen schon ihre größten Probleme. Beide leiden an der fehlenden Inspiration, versuchen, ihre Sorgen auszublenden, und haben reichlich Verbitterung angesammelt. Erst das gegenseitige Messen setzt neue Kräfte frei und führt zu einem Ausbruch aus der Lethargie. Auch wenn der Film die Annäherung der Protagonisten vorbereitet, wirkt das plötzlich aufflammende romantische Interesse zwischen Jack und Dina wenig überzeugend. Gleichwohl steht die Liebesgeschichte fortan im Mittelpunkt, was leider auf Kosten der reizvollen Grundthematik geht. Insgesamt siegen mit Blick auf den losgetretenen Wettstreit Allgemeinplätze und statische Vorträge über Originalität und visuellen Ideenreichtum. Ein Eindruck, den auch Dinas neuerliche Malversuche (die Bilder stammen von Binoche!) nicht beiseiteschieben können.

Etwas unterentwickelt bleiben außerdem die Schüler, denen die beiden Lehrer immerhin die Vorzüge ihrer jeweiligen Disziplin nahebringen wollen. Häufig sind die Jugendlichen nur Kanonenfutter für lieblos abgehandelte Nebenstränge. Blasse Abziehfiguren, die kein Eigenleben erhalten und den Zuschauer durchweg kalt lassen. Ganz anders etwa als die Heranwachsenden in Peter Weirs Klassiker "Der Club der toten Dichter", auf den Schepisi und Di Pego mehrfach anspielen.

Fazit: Obwohl die Hauptdarsteller glänzen und sich in köstlichen Scharmützeln aufreiben, kann "Words and Pictures" nicht vollends überzeugen. Eindimensionale Nebenfiguren und ein eher uninspirierter Umgang mit der spannenden Grundthematik rauben dem "Duell der Künste" leider einiges an Ausdruckskraft.





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