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Der Duft von Hortensien
Der Duft von Hortensien
© Salzgeber & Co

Kritik: Der Duft von Hortensien (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach dem Tod ihres Sohnes ist eine kambodschanische Chinesin in London nicht mehr in der Lage, mit der Außenwelt zu kommunizieren: Sie beherrscht die Sprache des Landes nicht, in das sie vor Jahrzehnten zog, um dem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Das verhaltene Drama, mit dem der Regisseur Hong Khaou sein Spielfilmdebüt gibt, basiert auf eigenen Erfahrungen: Seine Eltern, politische Flüchtlinge aus Kambodscha, kamen mit den Kindern in den 1980ern nach Großbritannien, wo die Mutter aber nie Englisch lernte.
Eine gemeinsame Sprache ist für das soziale Leben zwar wichtig, aber keine Garantie für kulturelle Annäherung. Solange sich Junn und der Heim-Mitbewohner Alan nur anlächeln und mit Zärtlichkeiten bedenken, ist ihre Beziehung romantisch. Sobald aber die vom wohlmeinenden Richard hinzugezogene Übersetzerin Vann ein Frage- und Antwortspiel ermöglicht, schleichen sich Dissonanzen ein. Junn mag nicht alles, was Alan zu sagen hat, genauso wenig, wie sie Lasagne isst. Es ist ein Qualitätsmerkmal dieses ernsten, engagierten Films, dass er den neuen sprachlichen Austausch nicht schnurgerade auf das Glück zusteuern lässt. Junn muss sich nicht verbiegen und findet trotzdem aus ihrer Isolation heraus, denn der junge Richard bemüht sich unermüdlich um Kontakt zu ihr. Bis zum finalen klärenden Gespräch bleibt offen, welches sein Hauptmotiv ist – Trauer, Schuldgefühl, die Sehnsucht nach einer eigenen Mutter, oder das Bedürfnis, Kai einen letzten Gefallen zu tun. Ben Whishaw spielt den sensiblen Richard bewegend. Cheng Pei Pei, die als Actiondarstellerin bekannt wurde ("Tiger and Dragon"), überzeugt in dieser nachdenklichen, introvertierten Rolle mit ihrer starken Präsenz und einer Darstellung, die auf Rührseligkeit verzichtet.

Die nicht-lineare Erzählung wechselt zwischen Gegenwart und Erinnerungsszenen und hält mit ihren fließenden Schnitten die Grenzen zwischen Realität und Vorstellungskraft durchlässig. Humorvolle Töne mischen sich in die stille Trauerarbeit von Junn und Richard, wenn es um die Konfusion geht, die die Laien-Übersetzerin Vann anrichten kann. Ihre Einmischung macht Richard manchmal die Gesprächsführung streitig. Die Zuschauer können sein Gefühl des Ausgeschlossenseins selbst erleben, indem ein Dialog auf Mandarin im Film nicht untertitelt wird. Der Titel "Lilting" bezieht sich auf den irischen Trällergesang, bei dem der Eindruck des Sprechens erweckt wird, ohne dass es sich dabei um konkrete Worte handelt. Der Film erzählt davon, wie Menschen unter erschwerten Bedingungen kommunizieren und dass die Sprache des Herzens universeller und umfassender ist als ihre Übersetzung ins Verbale.

Fazit: Der Lebensgefährte eines verstorbenen Mannes kümmert sich um dessen chinesische Mutter, die in einem Londoner Altenheim wohnt und die Sprache nicht beherrscht. Das ruhige, aber intensive und bewegende Drama einer ungewöhnlichen Freundschaft überzeugt mit guten Darstellern und einer nicht-linearen, die Innen- und die Außenwelt vermischenden Dramaturgie.




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