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Kritik: Arrival (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Kanadier Denis Villeneuve hat mit seinem bisherigen Œuvre bereits bewiesen, dass er klassische Genre-Szenarien geschickt zu nutzen weiß, um sich eindringlich mit Fragen der menschlichen Natur zu befassen – mal mit einem melodramatischen Plot als Ausgangspunkt (in "Die Frau, die singt – Incendies"), mal im Gewand eines Psychothrillers ("Prisoners") oder eines Kriminalfilms ("Sicario"). In "Arrival" widmet er sich nun einer Science-Fiction-Erzählung, zu welcher Eric Heisserer auf Basis der Novelle "Story of Your Life" (1998) von Ted Chiang das Drehbuch verfasste. Das Werk lässt an die Roman-Adaption "Contact" (1997) sowie an neuere, ebenfalls äußerst ambitionierte Genre-Vertreter wie "Interstellar" denken – entwickelt jedoch einen ganz eigenen Sog, eine ganz eigene Klugheit, Schönheit und Intensität.

Die ersten Bilder zeigen ein Mutter-Kind-Drama im Terrence-Malick-Stil: Die Protagonistin Louise verliert ihre Tochter in jungen Jahren an eine tödliche Krankheit. Immer wieder (und nicht ohne Grund) wird der Film diese traumatische Erfahrung in das Geschehen einfließen lassen. Die Situation, in die Louise durch ihre Aufgabe der Kontaktaufnahme mit den Außerirdischen gerät, wird vom Skript und der Inszenierung erstaunlich realistisch und glaubhaft eingefangen; die Kameraarbeit von Bradford Young, die mit einem dunkel-dreckigen Look sowie mit interessanten Perspektiven und point-of-view-shots aus Louises Schutzhelm heraus operiert, trägt ebenso zur Einfühlung des Publikums bei wie die gelungenen Klänge des Komponisten Jóhann Jóhannsson. Louise verhält sich nicht in jedem Moment wie eine typische Kinoheldin; die (abermals großartige) Amy Adams vermag die Überforderung und Überwältigung ihrer Figur nachvollziehbar zu vermitteln, ohne dieser die Kompetenz und Intelligenz zu nehmen, auf die Louise im Laufe der Handlung angewiesen ist.

Neben den eindrücklichen Aufnahmen der ovalen Flugobjekte, die knapp über dem Erdboden schweben, sowie den extraterrestrischen Insassen, die an Meeresungeheuer gemahnen, bleibt vor allem die Methode in Erinnerung, wie "Arrival" mit Sprache und dem Empfinden von Zeit umgeht. Zum einen wird in den Dialogen sehr erhellend über mögliche Missverständnisse in der (verbalen) Kommunikation diskutiert, durch die ein langsames Tempo in der Annäherung zwischen Mensch und Alien erforderlich ist; zum anderen wurde sogar eine in sich stimmige Symbolsprache der Außerirdischen entworfen. Erst gegen Ende des Werks können wir als Zuschauer_innen begreifen, dass der Film überaus clever mit unserer eigenen Wahrnehmung gespielt hat. Zwar werden die Ereignisse im letzten Drittel mit einem drohenden Krieg dramaturgisch zugespitzt, womit Heisserer und Villeneuve den Regeln der Hollywood-Studioproduktionen folgen; im Kern geht es hier aber um eine intellektuelle Begegnung der dritten Art, nicht um eine effektreiche Zerstörungsorgie.

Fazit: Ein faszinierendes Meisterstück mit einprägsamen Bildern, einer wunderbaren Hauptfigur und einem klugen twist.




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