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Every Thing Will Be Fine
Every Thing Will Be Fine
© Warner Bros.

Kritik: Every Thing Will Be Fine (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Um es gleich anzusprechen: Warum 3D? Es gibt nichts, was auch nur im Mindesten darauf hindeutet, dass das Material hier eine stereoskopische Behandlung benötigt hätte. Außer dem üblichen Helligkeitsverlust bringt es nichts, für zwei Stunden mit den Gläsern vor der Leinwand dieses sepia-farbenen Dramas zu sitzen. Im Nachhinein fällt keine einzige Szene ein, die von 3D profitiert hätte oder länger im Gedächtnis bliebe.

Es liegt der Verdacht nahe, dass Wim Wenders, dessen Filme seit über 15 Jahren nur dann die Kritik und das Publikum begeisterten, wenn er sich dem Dokumentarischen zuwendete ( "Buena Vista Social Club", "The Soul of a Man", "Pina" und sein aktuell "Oscar"-nominierter "Das Salz der Erde"), während kaum jemand begeistert von Spielfilmen wie "Land of Plenty", "Don't Come Knocking" oder "Palermo Shooting", seinem bisher letzten von 2008, gewesen ist oder ihn auch nur gesehen hätte, 3D als Glücksbringer einsetzen wollte.

Denn "Pina" wurde auch für den begeisternden Einsatz von 3D gelobt. Vielleicht hoffte Wenders, mit 3D auch Zuschauerschichten zu erschließen, die mit seinem Namen nichts anfangen können. Doch es reicht nicht, eine Kaffeetasse im Vordergrund zu photographieren. Schon gar nicht, wenn die Geschichte, die man erzählt, sowieso schon auf sehr bedächtigt daher kommt und den Betrachter mit laufender Spieldauer immer mehr mit der Frage konfrontiert: Was soll das? Und in 3D?

"Every Thing Will Be Fine" will vieles sein, ist aber nichts ganz. Eine Geschichte über einen Autoren, der mit seiner Schuld nicht fertig wird? Die Geschichte einer Mutter, die mit ihrer Trauer nicht fertig wird? Die Geschichte eines Bruders, der seltsame Wege findet, den traumatischen Tod seines Bruders zu verarbeiten? Die Geschichte eines erfolgreichen Schriftstellers, der sich sein Talent mit einem tragischen Unglück erkauft hat? Die Geschichte eines künstlerisch Begabten, der menschlich kalt ist und die Frauen seines Lebens zurückstößt? Oder gar - das wird in zwei Szenen noch mittenrein gepackt, ohne dass es je für die Handlung relevant wird - die Geschichte einer Entfremdung von Vater und Sohn?

Diese vielen Motive werden alle angerissen, nichts wird ausgeführt. Durch die eigentümliche Zeitstruktur, die nur durch Einblendungen wie "Zwei Jahre später" oder "Vier Jahre später" deutlich wird, lässt das Ganze noch belangloser werden, denn es ist nicht erkennbar, was sich denn nun so Fundamentales in den Charakteren vollzieht, dass ein so langer Zeitraum für das Erzählen gerecht fertigt wäre. Im Grunde bleibt nur das Verhältnis des Unfallopfer-Bruders zum Schriftsteller als Fixpunkt - und dies ist nicht tragend genug, um diese Spielfilmlänge zu rechtfertigen.

Es bleibt der Eindruck eines Films, der verzweifelt seinen Ton sucht. In einigen Szenen geht Wenders auf Spannung, was letztlich nur eine Schimäre bleibt. Im Endeffekt bleiben die guten Eindrücke die einzelner Szenen intensiver schauspielerischer Begegnungen, die großartige Photographie von Benoît Debie ("Spring Breakers"), der satten Musik von Alexandre Desplat ("Harry Potter und die Heiligtümer des Todes") und Wenders' Inszenierung tragischer Momente wie dem Unfalltod des Kindes.




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