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Und Äktschn!
Und Äktschn!
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Und Äktschn! (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Münchener Gerhard Polt gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und profiliertesten Kabarettisten Deutschlands weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Daneben ist er auch als Autor sowie als Schauspieler in Film und Fernsehen aktiv. Seinen künstlerischen Höhepunkt erlebte Polt wohl 1983 mit seiner Satire "Kehraus" über die fragwürdigen Praktiken von Versicherungen. Sein letzter Kinofilm, die Historien-Parodie "Germanikus" von 2004, erwies sich sowohl als künstlerischer als auch kommerzieller Mega-Flop. Umso erfreulicher, dass der Alt-Humorist und Parade-Grantler mit "Und Äktschn!" wieder zu früherer, alter Stärke zurückgefunden hat. Seine bissige Komödie ist voller verschrobener Figuren und lakonischem Wortwitz. Da sieht man gerne über die ein oder andere erzählerische Schwäche hinweg.

Das Beste am neuen Werk von Gerhard Polt sind die sympathischen, kauzig-kuriosen Charaktere, die alle ihre Macken haben, aber gerade deswegen liebenswert erscheinen – auch, wenn sie einem schon mal gehörig auf die Nerven gehen können. An vorderster Front steht natürlich der leidenschaftliche Film-Liebhaber und selbsternannte größte Film-Experte Hans A. Pospiech, großartig verkörpert vom mittlerweile 71-jährigen Polt. Pospiech ist ein in die Jahre gekommener, absonderlicher Mann, der seinen tagtäglichen Ärger mit der Ehefrau mit Hilfe seiner größten Leidenschaften ausgleicht: dem Amateurfilmen sowie den Weltkriegs-Erbstücken seines Vaters, deren Verkauf das Ehepaar am Leben hält. Sein größter Konkurrent ist Filmklub-Chef Nagy, köstlich schrullig verkörpert von Nikolaus Paryla. Auch Nagy sieht sich als den größten Film-Nerd und behauptet felsenfest, alle Regie-Meister schon einmal persönlich getroffen zu haben. Dass er dies als Würstchen-Verkäufer in den nahe München gelegenen Bavaria Filmstudios und nicht in einer Rolle als etwaiger Filmschaffender tat, verschweigt er natürlich.

Darüber hinaus überzeugen in "Und Äktschn!" der bissige Wortwitz und die geschliffen scharfen Dialoge, mit denen die Protagonisten ihren Unmut über den Verfall der Gesellschaft, das korrupte Bankensystem oder die Versäumnisse der staatlichen Film- und Kunstförderung äußern. Zudem garniert Polt seinen Film mit unzähligen hintersinnigen Sprüchen und neunmalklugen Lebensweisheiten, die man sich eigentlich umgehend in ein Notizbuch schreiben müsste, um sie nicht zu vergessen ("Der Mensch stirbt, aber der Film bleibt", "Keine Armut ohne Geld" etc.). Der Film schwächelt jedoch ein wenig in seiner erzählerischen Ausgestaltung. Inhaltlich dümpelt der Film immer wieder ohne nennenswerte Vorkommnisse und Ereignisse belanglos vor sich hin. Und dass er hinsichtlich der Hitler-Thematik (der "Oasch aus Braunau") ebenfalls nicht viel Neues bietet, ist auch schade. Alles in allem ist Polt aber wieder zu alter Stärke zurückgekehrt.

Fazit: Der geschliffene Wortwitz und die charmant-hintersinnigen Weisheiten machen aus der gut besetzten Komödie einen sehenswerten Film – trotz des gelegentlichen erzählerischen Leerlaufs.





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