VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
An Ihrer Stelle
An Ihrer Stelle
© NFP marketing & distribution

Kritik: An Ihrer Stelle (2012)


"An ihrer Stelle" ist das Regie-Debüt der israelischen Filmemacherin Rama Burshtein, die hier einen intimen Blick in die Innenansichten und Traditionen einer chassidischen Gemeinde in Tel Aviv gewährt. Burshtein war selbst jahrelang Mitglied dieser ultraorthodoxen Strömung innerhalb der jüdischen Religion. Anhänger dieser Glaubensrichtung pflegen ein traditionelles Frauenbild. Die Frauen sind hauptsächlich zum Gebären von Kindern und deren anschließender Erziehung da. Die Männer arbeiten nicht, sondern widmen sich täglich ausnahmslos dem Studium biblischer Schriften. Der Alltag wird von strengen Regeln und Ritualen bestimmt, von den täglichen Gebeten über die Kleidung bis hin zur Haartracht - alles unterliegt vorgegebenen Normen. Behutsam und mit viel Gefühl nähert sich Burshtein in ihrem Debüt dieser jüdischen Glaubensrichtung ohne zu werten oder ein Urteil über die Verhaltensweisen der Hauptfiguren abzugeben. "An ihrer Stelle" ist ein intimes, anspruchsvolles Drama über Menschen, für die die Ausübung ihrer Religion alles ist.

"An ihrer Stelle" ist als Innenansicht dieser orthodoxen chassidischen Gemeinde und deren Mitglieder zu verstehen, deren Normen und Verhaltensweisen bei Andersgläubigen zugegegenermaßen zunächst einmal Befremdung, mindestens aber leichte Verwirrung hervorrufen. Der Zuschauer bekommt einen ausführlichen Einblick in das tägliche Leben dieser Menschen, sieht, wie diese ihren Alltag gestalten und merkt schnell, dass die Religion für chassidische Juden alles ist und der Rabbi als die oberste moralische Instanz sogar noch wichtiger erscheint als eigene Familienmitglieder. Beim Zusehen entstehen sofort Sympathie und Mitgefühl für Shira, die charismatische, junge Hauptfigur des Films, die hier versucht, die eigenen Wünsche und Sehnsüchte mit dem Verlangen der Familie zu vereinen. Schnell merkt man, dass die vor allem von der dominanten Mutter zugeschriebene Märtyrerrolle als Ersatz für die verstorbene Schwester nicht der eigenen Erfüllung dient.

Regisseurin Burshtein enthält sich zudem eines abschließenden Urteils, der Kinobesucher muss das Verhalten von Shira und ihrer Familie selbst einordnen und für sich bewerten. Sie verbietet sich einen Kommentar zum Handeln und Tun ihrer Figuren, sie hält es lediglich fest, und das mit dem nötigen Abstand. Es ist vor allem dieser Umstand, der diesen Film so gelungen erscheinen lässt.

Fazit: Einfühlsam und auf intime Weise schildert Regisseurin Burstein die Innenansichten einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Tel Aviv.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.