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Sadhu
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Kritik: Sadhu - Auf der Suche nach der Wahrheit (2012)


"Sadhu" ist eine spirituell anmutende, leise Dokumentation in hypnotischen Bildern geworden, die vor allem von seinem sympathischen, vielschichtigen Protagonisten lebt, der deutlich macht, dass Askese und die Abwendung von allen materiellen Dingen selbst für einen gläubigen Hindu nicht immer der richtige Weg sind. In Suraj Baba stecken zu weiten Teilen auch viele unserer, westlichen und materiellen Werte und Prägungen. Diese Umstände machen den Hauptdarsteller wie auch den kompletten Film äußerst authentisch.

Es ist hochinteressant mit anzusehen, wie ein Sadhu, ein gläubiger Hindu also, der sich für ein einsames Leben in völliger Einsamkeit und im Einklang mit der Natur entschieden hat, auch im Jahr 2012 noch lebt (in diesem Jahr entstand der Film). Wie schon vor Tausenden von Jahren wird das Leben eines Sadhu auch heute noch bestimmt von Heimatlosigkeit, Armut, sexueller Enthaltsamkeit, Fasten sowie völliger Bedürfnislosigkeit. Nicht wenige leben zudem völlig nackt in den Höhlen der Berglandschaften. Als Zuschauer erhält man einen spannenden Einblick in das alltägliche Leben eines Sadhu: Der Film zeigt Suraj Baba wie er in einsamen, dunklen Höhlen schläft, beim Meditieren, beim Durchwandern der atemberaubenden Ebenen des Ganges in Indien oder wie er ein paar Lieder auf seiner akustischen Gitarre anstimmt. Regisseur Métroz findet für seinen Film dabei ruhige, fast hypnotische Bilderwelten dieser visuell beeindruckenden, mächtigen Berglandschaften.

Der große Vorteil des Films ist jedoch, dass Regisseur Mortéz mit Suraj einen Hauptdarsteller gefunden hat, der eben kein klassischer, allzu typischer Sadhu ist. Natürlich betet und meditiert er auch, jedoch wird schnell deutlich, dass Suraj schlicht beiden Welten gleichermaßen zugewandt ist: der Askese und der (westlich geprägten) Welt voller materieller Güter, Liebe, Reizüberflutung und Konsumdenken. Das wird in Momenten deutlich, in denen Suraj z.B. von seinen innersten Sehnsüchten und seinem Verlangen spricht oder seine an Protest-Musik erinnernden Songs anstimmt, die seine Bedürfnisse in Zeiten der Askese ausdrücken. Der Film endet schließlich mit der erhellenden Erkenntnis, dass der völlige Rückzug aus dem Leben und die Entsagung menschlicher Bedürfnisse und Wünsche auch nicht immer eine Lösung auf die Fragen des Daseins bieten.

Fazit: Erhellende, inspirierende Doku über die Entsagung menschlicher Bedürfnisse und völlige Askese, und was dieser Zustand mit den praktizierenden Menschen macht.





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