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Verräter wie wir - Poster
Verräter wie wir - Poster
© Studiocanal

Kritik: Verräter wie wir (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit den 1960er Jahren beliefert der ehemalige britische Geheimdienstmitarbeiter David Cornwell, besser bekannt unter seinem Schriftsteller-Pseudonym John le Carré, die Filmwelt mit fesselnden Spionagegeschichten, die sich spürbar abheben vom Glamour-Faktor eines James Bond. Le Carrés Romane und deren Adaptionen wirken im Vergleich deutlich realistischer und nehmen nicht selten eine kleinteilige, mühselige Agentenarbeit in den Blick. So wie der von Anton Corbijn verantwortete "A Most Wanted Man", in dem Philip Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rollen als desillusionierter deutscher Geheimdienstler zu sehen ist, der bei der Jagd nach einem Terrorverdächtigen zwischen die Fronten unterschiedlicher Behörden gerät. Stand le Carré früher vor allem für eine Auseinandersetzung mit den Schrecken des Kalten Krieges, befasst er sich in seinen neueren Werken mit politischen und wirtschaftlichen Machenschaften in einer globalisierten modernen Welt.

In eben diese Kategorie fällt auch der 2010 erschienene Roman "Verräter wie wir", den die britische Filmemacherin Susanna White ("Eine zauberhafte Nanny") nach einem Drehbuch von Adaptionsspezialist Hossein Amini ("Drive", "Die zwei Gesichter des Januars") für die große Leinwand aufbereitet hat. Erwarten darf der geneigte Thriller-Fan einen solide in Szene gesetzten Spannungsstreifen mit prominentem Cast, der durch mehrere Schauplatzwechsel ein wenig zur James-Bond-Opulenz tendiert. Anders als Corbijns bedrückend-atmosphärischer "A Most Wanted Man", der ein tristes Hamburg zeigt, wartet der von Oscar-Preisträger Anthony Dod Mantle fotografierte "Verräter wie wir" mit einigen exotischen und spektakulären Bildern auf. Hervorstechen können aus der Darstellerriege Damian Lewis als unberechenbarer MI6-Agent Hector Meredith und besonders Stellan Skarsgård, der die klischeehafte Figur des russischen Alphatiers Dima mit einem eigentümlichen Charme versieht und viele Szenen an sich reißt.

Dass Whites Romanadaption dennoch hinter anderen Verfilmungen le Carrés zurückbleibt, ist in erster Linie auf ein unsauberes Drehbuch zurückzuführen, dem es leider nicht gelingt, die gewagte Prämisse der Geschichte halbwegs glaubwürdig zu vermitteln. Warum sich der zurückhaltende Uni-Dozent Perry (Ewan McGregor) auf den lauten und überschwänglichen Mafia-Buchhalter Dima einlässt und für ihn einen USB-Stick mit brisanten Informationen an den britischen Geheimdienst weitergibt, wird aus dem Gezeigten nicht genau ersichtlich. Bedauerlich ist außerdem, dass Amini die Frontlinien recht klar absteckt, sodass der von geheimen Verstrickungen handelnde Plot im Gesamtüberblick erstaunlich simpel erscheint. Die Verquickung von russischem Blutgeld und britischer Politik wird auf grobe Muster heruntergebrochen. Und auch im Fall des eigenwilligen Geheimdienstlers Meredith, der von persönlichen Motiven angetrieben wird, geben sich die Macher mit einer skizzenhaften Beschreibung zufrieden. Da White und Co darüber hinaus in der zweiten Hälfte einige dramaturgische Taschenspielertricks bemühen, hinterlässt "Verräter wie wir" inhaltlich einen durchwachsenen Eindruck, den auch der ein oder andere packende Suspense-Moment nicht kaschieren kann.

Fazit: Mit der John-le-Carré-Verfilmung "Verräter wie wir" legt die britische Regisseurin Susanna White einen handwerklich routinierten, stellenweise spannenden Spionagethriller vor, der allerdings an einer unglaubwürdigen Prämisse und erzählerischen Vereinfachungen krankt. Trotz eines famosen Rampensauauftritts von Stellan Skarsgård ist das Ganze nur eingeschränkt empfehlenswert.





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