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Georg Baselitz
Georg Baselitz
© Alamode Film

Kritik: Georg Baselitz (2013)


Georg Baselitz wuchs in einem kleinen Ort in der sächsischen Oberlausitz auf. Nach dem Abitur begann er 1956 sein Malerei-Studium an der Ostberliner "Hochschule für bildende Künste". Doch schon damals wurde klar, dass Baselitz' Meinungen und Ansichten in keinster Weise mit den sozialistischen Vorstellungen der DDR in Einklang zu bringen waren. Die Folge: Baselitz wurde der Schule verwiesen. Zwei Jahre später setzte er sein Studium dann mit wesentlich mehr Erfolg im Westen der Stadt fort. Aber auch im „Westen“ entsprachen seine Bilder und Skulpturen nicht den gesellschaftlichen Werten und Normen, was 1963 zu einem Skandal führte. Sein Bild "Die große Nacht im Eimer" zeigte einen Jungen nach dem Masturbieren und wurde während seiner ersten Einzel-Ausstellung beschlagnahmt. "Die große Nacht im Eimer" ist bis heute eines seiner berühmtesten Werke.

Für weltweites Aufsehen sorgte er ab Ende der 60er-jahre mit seinen auf den Kopf gestellten Bildern - eine revolutionäre Idee. Mit der Motivumkehr nahm Baselitz den Bildern ihren Inhalt, weshalb folglich auch nichts von Form und Farbe der Werke ablenken konnte. In dem Porträt "Georg Baselitz" erfährt man zum ersten Mal, dass er diese Bilder keineswegs erst nach dem Malen auf den Kopf stellt - er zeichnet sie bereits auf diese spezielle Art. Dies ist aber nur einer der vielen spannenden Aspekte, die man durch dieses Porträt über den Künstler Georg Baselitz erfährt.

Einen Schwerpunkt legt die Filmemacherin darauf, Baselitz beim Entstehen seiner Werke genau über die Schulter zu schauen und ihm ausführliche Besuche in seinen Künstlerwerkstätten in Bayern und Italien abzustatten. Damit lässt sie den Zuschauer unmittelbar am Entstehungsprozess seines künstlerischen Schaffens teilhaben. Minutenlang folgt die Kamera ohne Kommentar oder musikalischer Untermalung dem Treiben von Baselitz. Er kriecht auf dem Boden entlang, tupft, verwischt, malt, schmiert und spritzt was das Zeug hält. So ist es auch immer wieder kurios und äußerst unterhaltsam, ihm bei seiner Arbeit zuzusehen.

Dazwischen versorgt uns die Filmemacherin mit allerlei Infos, indem die Künstler-Gattin Elke, einige seiner wichtigsten Weggefährten oder Baselitz selbst zu Wort kommen und interessante Episoden aus seinem Leben erzählen. So z.B. von seinem großen internationalen Durchbruch 1980 bei der Biennale in Venedig. Natürlich - wie für Baselitz typisch - mit einem handfesten Skandal: er präsentierte als Biennale-Beitrag eine große Holzfigur, die ihren Arm in eindeutiger, an den Hitlergruß erinnernden Pose hob.

Fazit: Zum ersten Mal durfte eine Kamera den Maler und Bildhauer Georg Baselitz beim Erschaffen seiner Kunst beobachten. Herausgekommen ist ein ausführliches und äußerst intimes Porträt eines der wichtigsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit.





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