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Kritik: A World Not Ours (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es gibt nicht viele Filme, die solch intime und private Einblicke in die täglichen Abläufe und das Leben innerhalb eines Flüchtlingslagers bieten wie die Dokumentation "A World not ours" des 1979 in Dubai geborenen Regisseurs Mahdi Fleifel. Anhand von privaten Videoaufzeichnungen kreiert er das bedrückende Bild vom Leben in einem der größten Flüchtlingslager des Nahen Ostens: von Ain El-Helwe im Libanon, in dem weit über 100.000 Palästinenser leben und auf eine Rückkehr in ihre Heimat hoffen. "A world not ours" wurde 2013 auf der Berlinale mit dem Friedenspreis ausgezeichnet.

Fleifel selbst, der mittlerweile im weit entfernten, sicheren Dänemark lebt, begibt sich noch immer jedes Jahr in den Sommerferien in den Libanon, um seine Familienangehörigen im Lager zu besuchen. Diese harren seit Jahrzehnten dort aus. Fleifel verbrachte in den 80er-Jahren seine Kindheit in dem Lager, bevor ihm die Flucht nach Mitteleuropa gelang. Schon damals, in den 80er-Jahren, als Fleifel noch ein Kind war, lebten bereits knapp 70.000 Menschen in dem heillos überfüllten Lager. In der Zwischenzeit ist die Anzahl der Flüchtlinge auf 120.000 gestiegen. Um seine Besuche zu dokumentieren und für die Nachwelt festzuhalten, finden die Reisen in den Libanon niemals ohne Fleifels Videokamera statt. So sammelten sich im Laufe von zwölf Jahren (so lange filmt er bereits seine Besuche) Unmengen an Videoaufnahmen an, die einen authentischen, intensiven Einblick in das Leben innerhalb von Ain El-Helwe gewähren. Hinzu kommen die Videoaufzeichnungen von Fleifels Vater, der schon etwa 1985 anfing, das Treiben im Lager mit der Kamera festzuhalten.

Die Aufnahmen von Fleifel und seinem Vater verdeutlichen, dass es im Camp - trotz der unsicheren Zukunft der Lagerbewohner - bei weitem nicht nur traurig und missmutig zuging. Vor allem die Aufnahmen aus den 80er-Jahren machen klar, dass die Familien auch lustige und glückliche Momente gemeinsam erlebten und sie ihr Schicksal noch mehr zusammenschweißte. "A World not ours" zeigt Fleifel und seine jungen Freunde dabei, wie sie in den Ruinen ihrer zerstörten Häuser Krieg nachspielen oder in einer abgeschiedenen Ecke des Lagers Schießübungen mit gefundenen Gewehren machen. Dabei wurde es Fleifel dort nie langweilig, wie er etwa mit der Äußerung, Ain El-Helwe sei besser und abwechslungsreicher als Disneyland, klar macht. Im Lager lebt bis heute auch sein bester Freund Abu Eiad, der keine Arbeitserlaubnis hat und sich somit die Zeit mit dem Aushecken von Fluchtplänen vertreibt.

"Meine Freunde haben nie verstanden, wieso ich meine Sommerferien an einem Ort wie diesem verbringe", sagt Fleifel an einer Stelle des Films. Diese Äußerung macht genau den großen Unterschied zwischen ihm und seinen Angehörigen deutlich: Fleifel hat als Besucher des Camps jederzeit die Möglichkeit, dieses,sobald er will, wieder zu verlassen und in seine geschützte Welt zurückzukehren. Seine Freunde und Familie hingegen harren unterdessen weiter im Camp aus und hoffen auf Rückkehr, vielleicht in einigen Jahren, vielleicht aber auch nie. Ein beklemmendes Gefühl, dass sich den ganzen Film über einstellt.

Fazit: Persönlicher, äußerst intimer Einblick in eines der größten Flüchtlingslager des Nahen Ostens mit einer Vielzahl authentischer, privater Videoaufnahmen.




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