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Fruitvale Station
Fruitvale Station
© DCM GmbH

Kritik: Fruitvale Station (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Nächster Halt: Fruitvale Station" ist gleichzeitig berührendes Drama und aufwühlende Anklage gegen den in den USA nach wie vor grassierenden Rassismus und eine immer wieder auftretende unkontrollierte Polizeigewalt. Der Film erzählt die wahre, tragische Geschichte des 22-jährigen Oscar Grant (Michael B. Jordan), der kurz vor Mitternacht am Silvester-Abend 08/09 an der Haltestelle Fruitvale Station von Polizei-Beamten aus der Bahn gezogen und erschossen wird. Im Krankenhaus erliegt er seinen Verletzungen. Bis es aber soweit ist, wird der Zuschauer Zeuge eines scheinbar ganz normalen Tages im Leben eines jungen schwarzen Mannes, der sein Leben komplett ändern möchte. Grant will seine Probleme im Job und die Schwierigkeiten mit seiner Familie lösen und befasst sich nebenbei mit den Plänen für Silvester. Doch es sollte alles ganz anders kommen.

"Fruitvale Station" ist das filmische Debüt des gerade einmal 27-jährigen US-amerikanischen Filmemachers Ryan Coogler, der hier auch das Drehbuch schrieb. Die tragischen Ereignisse vom 31. Dezember 2008, die um die Welt gingen und offenbarten, dass der alltägliche Rassismus in den USA nach wie vor fester Bestandteil des Lebens dort ist, brachten Coogler auf die Idee zu seinem ersten Spielfilm. Produziert wurde der Film von Schauspiel-Schwergewicht und Oscar-Preisträger Forest Whitaker. Beim Sundance-Festival, wo "Fruitvale Station" seine Premiere feierte, gewann der Film nicht nur den Publikumspreis, sondern auch den Großen Preis der Jury. Regisseur Coogler gelingt ein packendes, vor Intensität strotzendes Drama, das niemanden kalt lässt.

An Silvester 2008 wird dem jungen Amerikaner Oscar Grant klar, dass er sein Leben verändern muss. Seiner kriminellen Karriere, die ihn schon einmal ins Gefängnis gebracht hat, will er ebenso endgültig abschwören, wie er auch die Probleme auf der Arbeit und mit seiner Familie ein für allemal in den Griff kriegen will. Er möchte wieder ein gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft werden. Und so begleitet der Zuschauer den Großteil des Films den jungen Mann vor den schlimmen Ereignissen auf seiner Reise durch die Bay Area. Es scheint ein ganz gewöhnlichen Tag. Die große Tragik ist dabei freilich, dass man zu jeder Sekunde des Films weiß, wie das Ganze endet und dass Grant seine ehrbaren Vorhaben zur Änderung seines Lebens eben nicht mehr in die Tat umsetzen kann.

Dieser Wissensvorsprung, den der Zuschauer Oscar Grant gegenüber hat, sorgt in erster Linie für die bedrückende, elektrisierende Atmosphäre des Films bis zum finalen, schicksalhaften Akt. So inszenatorisch unspektakulär und gewöhnlich die ersten 50 Minuten des Films ablaufen, so dramatisch und drastisch gestaltet sich das Finale, das im rauen, fiebrigen Doku-Stil gefilmt ist und mit wackeliger Handkamera das Chaos und die Verwirrung aller Beteiligten deutlich macht. Geschickt fängt Coogler die Unklarheit und das Durcheinander der zunehmend eskalierenden Situation ein. Oscar Grant ist eine komplexe Figur, mit der man bereits nach wenigen Minuten mitfühlt, natürlich auch begünstigt durch das Wissen um das Ende. Hauptdarsteller Jordan legt seine Figur atemberaubend vielschichtig an. Der Nachspann des Films klärt noch darüber auf, was im Nachhinein passierte, wie sich der Prozess gegen den Todes-Schützen entwickelte und welch geringe Strafe er bekommen hat.

Fazit: Aufwühlendes, schockierend realistisch gefilmtes Regiedebüt über die wahren Ereignisse um den tragischen Tod des schwarzen Amerikaners Oscar Grant.





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