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Kritik: Circles (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Circles" geht es um ein dramatisches Erlebnis im Bosnien-Krieg Anfang der Neunziger, das noch zwölf Jahre später Menschen verschiedener Herkunft und Glaubensrichtung miteinander verbindet. Regie führte Srđan Golubović, der sich für sein neuestes Werk von einer realen Begebenheit inspirieren ließ. Der anspruchsvolle, komplexe Film stellt dabei Fragen nach Schuld und Vergebung, Sühne und Moral ins Zentrum und veranschaulicht mit klinischer Genauigkeit, welche Opfer Menschen im Kampf mit sich selbst bringen müssen. "Circles" gewann bereits zahlreiche Festival-Preise und ist ebenso packend wie Golubović` Drama-Meisterwerk "Klopka" von 2007, dabei aber noch eine Spur vielschichtiger. Wer als Zuschauer aufmerksam am Ball bleibt und die fast zwei Stunden durchhält, bekommt zur Belohnung ein schlüssiges, hochemotionales Drama geboten.

Lange erfährt man in "Circles" nicht, wie die Protagonisten zwölf Jahre nach den dramatischen Ereignissen miteinander verbunden sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Erst nach und nach erschließen sich einem die Zusammenhänge und Verwicklungen. Dies erfordert vom Zuschauer aber in jedem Fall eine große Portion Durchhaltevermögen und zumindest ein Mindestmaß an Interesse an der Thematik (Bosnien-Krieg) und dem Genre (Episoden-Drama). Dennoch überwiegt hier deutlich das Positive. Golubović` Bildsprache ist durchzogen von einer meditativen Note, die langen Einstellungen und schnittarmen Sequenzen von kargen, reduzierten Hintergründen verleihen dem Film etwas Erhabenes.

Dazu kommt ein sehr gut eingespieltes, durchweg überzeugendes Schauspieler-Quintett, das seinen Figuren Authentizität und Glaubwürdigkeit verleiht. Alle beteiligten Personen sind sich ihrer Schuld und moralischen Verantwortung bewusst, jedoch dauert es bei den Betroffenen unterschiedlich lange, bis sie sich davon befreit haben und wieder im Reinen mit sich sind. Dabei lösen die Betroffenen ihre existenziellen Sorgen größtenteils alleine mit sich und nicht im Dialog mit anderen Personen. Diese wortarme Herangehensweise passt zum komplexen Arthouse-Touch des Films.

Fazit: Komplexes, hintergründiges Episoden-Drama, das vom Zuschauer Durchhaltevermögen und Konzentration einfordert.




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