VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Closed Curtain (2013)


Der Film des bekannten iranischen Regisseurs Jafar Panahi handelt von einem Mann, gespielt von Koregisseur Kamboziya Partovi, der sich mit seinem Hund in einem Haus am Meer versteckt, da Hunde als unrein gelten und getötet werden sollen. Hinzu kommt eine junge Frau, die wegen einer Party, die ebenfalls verboten ist, von der Polizei gesucht wird. Alle Vorhänge sind zugezogen und die beiden begegnen sich mit Misstrauen. Der Mann richtet sich ein, baut ein Versteck, achtet darauf, dass nichts nach außen dringt. Die junge Frau ist resigniert, sie hat schon oft versucht sich das Leben zu nehmen. Er will, dass sie geht. Sie verschwindet und ist dann plötzlich wieder da. In einem Moment reißt sie die Vorhänge herunter, Tücher von der Wand. Dahinter kommen Plakate von Filmen Panahis zum Vorschein. Als dann Panahi sich selbst spielend in Erscheinung tritt, vermischen sich Realität und Fiktion vollends. Er nimmt die beiden nicht wahr, sie sind wie Geister. Geister seiner selbst. Szenen des Filmdrehs fließen in die Handlung ein und es wird bewusst, wie sehr der Film seine eigene Entstehung widerspiegelt: Panahi wurde zu einem zwanzigjährigen Berufsverbot verurteilt. Diesen Film dürfte es eigentlich gar nicht geben. Dass es ihn trotzdem gibt, zeugt von unglaublichem Mut und Widerstandswillen.

Panahi beschreibt in einer außerordentlichen Art die innere Emigration im Iran. Mit teilweise surrealen Handlungssträngen und eindrucksvollen Bildern beleuchtet er die Zwiespältigkeit vieler Menschen. Die Charaktere bewegen sich zwischen Resignation und Aufbegehren. Der Mann geht heimlich nachts mit seinem Hund vor die Tür, sie geht ins Meer bis sie vom Wasser verschluckt wird. Panahi tut es ihr gleich. Doch kurz bevor er verschwindet, dreht der Film zurück. Nein, so nicht! Er bleibt. Der Hausmeister wünscht ihm, dass er bald wieder arbeiten darf. Aber es gebe auch noch andere Dinge im Leben. Panahi antwortet: "Die interessieren mich nicht."
Das ist sein Statement. In der letzten Szene sieht man die Weite des Meeres in der Sonne funkeln – durch ein vergittertes Fenster.

Fazit: "Pardé" (Closed Curtain) beschreibt mit beeindruckenden Bildern und teilweise surrealer Handlung das Innenleben des Regisseurs Jafar Panahi stellvertretend für viele Menschen im Iran. Mit einfachsten Mitteln grandios umgesetzt ist dieser Film ein Manifest für die persönliche Freiheit.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.