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Fräulein Julie
Fräulein Julie
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Fräulein Julie (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Regisseurin Liv Ullmann bleibt mit ihrer Adaption von August Strindbergs "Fräulein Julie" nah am Theaterstück – sie erweitert es lediglich um einige Handlungsorte, spart Nebenrollen aus und verlagert es nach Irland ins Jahr 1890. Dort tanzt die junge Adlige Julie (Jessica Chastain auf dem Mittsommernachtsfest mit dem weltgewandten Diener John (Colin Farrell) – eine unangemessene Annäherung, die von Julie aber spielerisch gesehen und fortgesetzt wird, nachdem John das Fest verlassen hat. Sie folgt ihm in die Küche des Herrenhaus und fordert ihn vor den Augen seiner Verlobten, der Dienerin Kathleen (Samantha Morton) , zu weiteren Flirtereien heraus. Dabei ist das Begehren durchzogen von dem Gefühl der Macht, das sowohl Julie als auch John genießen wollen.

August Strindbergs Geschichte hätte viele Ansatzpunkte zur Modernisierung geboten. So hätte Liv Ullmann den Klassenunterschieden andere Machtverhältnisse entgegensetzen können – bspw. der Geschlechter. Darüber hinaus enthält Stringsbergs Stück sehr viele zeitlose Themen – vom Versuch, die eigenen Gefühle zu kontrollieren, bis hin zu einer ausweglosen Liebe. Somit hätte man aus diesem Stück eine radikale Neuinterpretation oder ein opulentes Kostümdrama machen können, in der Inszenierung von Liv Ullmann wird keines dieser Potentiale genutzt. Fast erscheint es als sei die Last der berühmten Vorlage zu groß gewesen, denn in jeder Sekunde des 120-minütigen Films ist zu spüren, dass hier ein Theaterstück verfilmt wurde. Nur am Anfang und Ende macht Liv Ullmann von filmischen Mitteln gebraucht, die meiste Zeit aber verbleibt die Kamera in der Küche, oftmals statisch verharrend, während die Schauspieler die kaum modernisierten, sondern lediglich übersetzten Dialoge sprechen. Intendiert hat Liv Ullmann ein Kammerspiel, aber es entsteht keine intime oder klaustrophobische Stimmung.

Dazu trägt auch auch bei, dass sich die Schauspieler erkennbar an einem theatergemäßen Stil orientieren. Ein Film ist jedoch kein Theaterstück, so erscheint aber Jessica Chastains Bemühen, die emotionale Zerrissenheit Julies zu zeigen, bisweilen übertrieben. Colin Farrell überzeugt erst als sich das Machtverhältnis umzukehren beginnt. Daher bleibt – insbesondere ohne Kenntnis des Stücks – die Anziehung zwischen Julie und John weitgehend eine Behauptung und der weitere Verlauf des Abends rätselhaft. Sogar Samantha Morton wirkt bisweilen als würde sie Texte aufsagen. Und das liegt bei allen drei Darstellern vor allem an der Inszenierung des Films.

Fazit: "Fräulein Julie" ist ein verfilmtes Theaterstück, dem auch die guten Schauspieler nur wenig Leben einhauchen können.





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