VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Youth
Youth
© Port au Prince Pictures GmbH

Kritik: Youth (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In den letzen Jahren fällt Israel zunehmend positiv mit gelungenen Genreproduktionen auf. Im Jahre 2011 war "Rabies – A Big Slasher Massacre" - der erste israelische Slasher überhaupt - ein großer Erfolg auf dem Fantasy Filmfest. Und gerade kam mit "Bethlehem – Wenn der Feind dein bester Freund ist " ein ausgezeichnetes Thriller-Drama in unsere Kinos. Einen sehr ähnlichen realistischen und sozialkritischen Tom schlägt auch Autor und Regisseur Tom Shoval mit seinem ersten Langfilm "Youth" an. Im Gegensatz zu "Bethlehem" handelt "Youth" einmal nicht von dem Nahostkonflikt, sondern liefert einen Blick aus der Binnenperspektive auf die israelische Gesellschaft. Das Bild, welches sich dabei zeigt, vermittelt eindringlich, dass diese Gesellschaft nicht nur von außen bedroht wird. Auch in Israel klafft die Einkommensschere immer weiter auseinander, was mit einer zunehmenden Erosion menschlicher Werte einhergeht. Darüber hinaus ist Israel ein Land, das ständig mit der Gewalt lebt und in dem alle jungen Männer und Frauen zwei bis drei Jahre Militärdienst leisten müssen. Diese Verbindung aus zunehmender sozialer Schieflage und der Allgegenwärtigkeit von Waffen und von Gewalt führt "Youth" zufolge zu einer starken Verrohung der Gesellschaft.

Bereits der die Familie bedrohende Kredithai scheint einem Mafiafilm entstiegen zu sein. Man argwöhnt, dass bei diesem Gangster im Falle einer ausbleibenden Zahlung wesentlich mehr als nur der Verlust der Wohnung auf dem Spiel steht. Die beiden nicht sehr hellen Brüder Yaki und Shaul wiederum wurden von Actionfilmen zu ihrem nicht sehr ausgefeiltem Entführungsplan inspiriert. Zudem fühlt sich Yaki, der auch in seiner Freizeit in Uniform und mit Maschinengewehr herumläuft, seit seinem Militärdienst offensichtlich wie ein ganz harter Mann, der es mit jedem aufnehmen kann. Die beiden Brüder versuchen die von ihnen entführte Dafna durch abfällige Sprüche und herrisches Gehabe einzuschüchtern. Doch das Mädchen merkt rasch, dass ihre Entführer nicht wirklich die Übersicht über die Lage besitzen. Dadurch wird ihre Situation jedoch nicht weniger bedrohlich, denn je ratloser die beiden Brüder werden, desto mehr nehmen auch ihre Aggressionen zu. Das Geschehen wird von einer ruhigen Handkamera in erdigen Tönen eingefangen, wodurch der realistische Grundton von "Youth" zusätzlich unterstrichen wird. Der Film wertet auch nicht, sondern nimmt eine möglichst neutrale Position ein. Jeder einzelne der Protagonisten leidet und der Titel "Youth" deutet bereits an, dass bei den gezeigten gesellschaftlichen Verhältnissen am Ende auch die eigentlich Hoffnung verheißende Jugend auf der Strecke bleibt.

Fazit: "Youth" ist ein sehenswertes israelisches Drama mit Thrillerelementen, das aus seinen geringen Mitteln einiges macht. Anhand der Entführung eines Mädchens durch zwei Brüder, vermittelt sich ein Mikrokosmos der israelischen Gesellschaft, der großen Anlass zur Sorge gibt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.