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Stromberg - Der Film
Stromberg - Der Film
© NFP marketing & distribution

Kritik: Stromberg - Der Film (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Idee zu einem "Stromberg"-Film existiert schon seit einigen Jahren, konnte aber lange nicht in die Tat umgesetzt werden, da es schlicht und ergreifend an den finanziellen Mitteln fehlte, um dem Ganzen einen gebührenden Rahmen zu geben. Erst eine im Dezember 2011 initiierte Crowdfunding-Aktion führte am Ende zum großen Durchbruch. Binnen kürzester Zeit brachte die Fangemeinde der ProSieben-Sitcom rund um Büroekel Stromberg eine Million Euro zusammen und stellte die Finanzierung des Projekts auf sichere Füße. Knapp zwei Jahre später findet die fünf Staffeln umfassende TV-Serie, die vom BBC-Format "The Office" inspiriert wurde, nun ihren gelungenen Abschluss auf der Leinwand – mit einem Protagonisten, der noch einmal zu ganz großer Form auflaufen darf.

Im Gegensatz zu vielen anderen Fernsehadaptionen, gelingt den Machern der Spagat zwischen kinotauglicher Ausweitung des Ursprungsstoffes und Beibehaltung wichtiger Seriencharakteristika nahezu perfekt. Geschickt wird der Zuschauer in den ersten Bildern darauf vorbereitet, dass Stromberg die miefige und trostlose Bürowelt der CAPITOL am Ende des Films verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen wird. Wie es dazu kommt, beantworten die folgenden 90 Minuten, die uns zunächst in die engen Räumlichkeiten der Versicherungsfiliale zurückkatapultieren. Dorthin, wo Wahnsinn und Chaos zu regieren scheinen. Und Stromberg unaufhörlich an der Ausbesserung der eigenen Position arbeitet.

Auch wenn der Film kurz darauf den engmaschigen Kosmos der Serie öffnet und die Figuren auf die Reise zum großen Firmenjubiläum schickt, bleibt der übliche Mockumentary-Stil unangetastet. Nach wie vor ist die in das Geschehen involvierte Kamera nah bei den Figuren und garantiert eine unmittelbare Interaktion. Eingestreut in den Handlungsverlauf sind freilich auch die altbekannten Interviewszenen, die Möglichkeiten zum pointierten oder nachdenklichen Räsonieren bieten. Noch wichtiger ist gerade im Hinblick auf die begeisterte Fangemeinde, dass die Leinwandversion den unangepassten und sarkastischen Ton der Serie beibehält und sich damit einer Anbiederung an den Massengeschmack verwehrt. Einmal mehr darf Berufsopportunist und -intrigant Stromberg in seiner unnachahmlichen Art politisch unkorrekte Weisheiten und Sprachbilder zum Besten geben und damit die Engstirnigkeit und Selbstüberschätzung des deutschen Kleinbürgers zum Ausdruck bringen. Die Pointen, die Drehbuchautor und Produzent Ralf Husmann aus dem Hut zaubert, erinnern an die besten Zeiten der Serie, dürften zugleich aber auch Zuschauer zum Lachen bringen, die mit dem TV-Format nur sporadisch vertraut sind.

Ähnlich wie im Fernsehen, bekommen die wichtigsten Figuren auch im Film Raum für ihre eigenen kleinen Geschichten. Tanja (Diana Staehly) und Ulf (Oliver K. Wnuk) kämpfen nicht nur mit der richtigen Gestaltung ihrer Ehe, sondern müssen sich auch mit ihrem schwierigen Pflegesohn Marvin (Max Kluge) herumschlagen, der zwar kein einziges Wort verliert, dafür aber allerhand dumme Ideen in die Tat umsetzt. Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig), Strombergs große Flamme, hadert wiederum mit der Männerwelt, von der sie bereits so oft enttäuscht wurde. Abgesehen von derartigen Schlenkern in der Erzählführung, fokussiert sich der Film jedoch sehr stark auf seinen umtriebigen Protagonisten, der dem drohenden Jobverlust – Strombergs CAPITOL-Filiale soll in Kürze geschlossen werden – durch einen Wechsel in die Konzernzentrale zuvorkommen will und daher die Firmenoberen auf der Jubiläumsfeier von seinen Vorzügen überzeugen muss. Dass der arme Ernie ähnliche Pläne verfolgt, spornt den berechnenden Abteilungsleiter nur noch mehr an und sorgt für ein herrlich amüsantes Durcheinander bei der großen Firmenparty, auf der sich im Übrigen einige Figuren aus früheren Staffeln tummeln. Konsequent und raffiniert zeichnet Husmanns Drehbuch nach, wie Stromberg die steife Veranstaltung zunehmend an sich reißen (Stichwort: "Lass das mal den Papa machen!") und so die Aufmerksamkeit des Personalchefs Klinkhammer (Michael Wittenborn) gewinnen kann.

Äußerst gelungen ist auch die irrwitzige Wendung im letzten Drittel des Films, die die Hauptfigur vor eine große – nicht zuletzt moralische – Entscheidung stellt und ironisch Bezug auf reale Vorkommnisse in der Versicherungsbranche nimmt. Hier bündelt Stromberg, im Kampf für das eigene Wohl, noch einmal alle Kräfte und stößt eine ganz ungeahnte Entwicklung an, die reichlich Situationskomik liefert, allerdings nicht ganz sauber ausbuchstabiert wird. Wenn der Film in den letzten Minuten schließlich seinen Ausgangspunkt erreicht – eine große Eingangshalle mit viel Glas und gediegenen Farben –, erfährt der Zuschauer durch einen vergnüglichen Gastauftritt, wo es den selbsternannten Bürohengst Stromberg von nun an hinzieht. Ein schöner Schlusspunkt für eine Serie, die, gewiss polarisierend, die oft eintönige deutsche Fernsehlandschaft enorm bereichert hat.

Fazit: Der Schritt auf die große Leinwand erweist sich für Büroekel Stromberg als rundum gelungener Abschluss eines denkwürdigen Fernsehkapitels. Wunderbar zugespitzt fängt der Kinofilm den bösen Witz und die Peinlichkeiten der Serie ein und lässt seinen Protagonisten noch einmal über sich hinauswachsen.




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