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Schwestern
Schwestern
© farbfilm verleih

Kritik: Schwestern (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine ganze Familie hadert mit dem Entschluss einer jungen Frau, ins Kloster zu gehen. Die Novizin selbst hat ein Schweigegelübde abgelegt und kann keine Auskunft geben. Ihre Eltern und Geschwister müssen sich ihren eigenen Reim darauf machen und sich mit ihrer Kränkung auseinandersetzen. Wie kann jemand der Welt, zu der man selbst gehört, so radikal den Rücken kehren? Und hat man selbst die richtigen Weichen im Leben gestellt? Regisseurin und Drehbuchautorin Anne Wild kombiniert in ihrer dynamischen Momentaufnahme einer Familie Nachdenklichkeit mit heiteren und sogar magischen Elementen.

Besonders die ältere Schwester Saskia gerät wegen Katis Entschluss heftig ins Grübeln: Nach mehreren Versuchen im Kunstbereich fühlt sie sich beruflich immer noch orientierungslos. Einen Mann hat sie nicht und Kinder will sie keine. Mutter Usch lässt ihrer Enttäuschung über die Tochter freien Lauf und Saskia verlässt das Picknick vorzeitig, um wieder im Kloster nach Kati zu fahnden. Die Begegnung der beiden Schwestern ist emotional bewegend und ausdrucksstark, gerade weil es Kati so gut versteht, sich auch ganz ohne Worte mitzuteilen.

Im Verlauf des Picknicks kommt es zu einer Reihe witziger Komplikationen: Der Kuchen von Usch ist versalzen, dann tauchen Kühe auf, die mit vereinten Kräften zurückgetrieben werden müssen. Onkel Rolles (Jesper Christensen) junge Freundin sucht beleidigt das Weite. Sobald die Charaktere ihr Alltagskorsett ein wenig lockern und sich treiben lassen, entsteht ein Moment, an dem alles möglich scheint. Die als Biene verkleidete Marie rennt ihrer Oma davon und sieht plötzlich lauter Menschen im Bienenkostüm, denen sie folgt. Solche vielleicht magischen, vielleicht auch nur unergründlichen Momente erleben mehrere Beteiligte. Sensibilisiert von ihrem inneren Aufruhr, von Erinnerungen an die Kindheit, entdecken sie ihre eigene Gläubigkeit, ihre Empfänglichkeit für Zeichen. Dieses Aufbrechen der nüchternen Realitätsebene ist sparsam dosiert, atmosphärisch aber sehr reizvoll.

Das überzeugende Schauspielerensemble porträtiert die Charaktere lebensnah, ohne schrille Töne oder großes Drama. Die stimmungsvollen Bilder mit ihrem Wechsel zwischen Ruhe und Unordnung gestalten den Besinnungsausflug ins Grüne visuell inspirierend: Nonnen, die in wehenden Gewändern den Kühen nachjagen, ein summender Bienenschwarm, ein Gewitter, das imposante Klostergebäude. Es gelingt der Regisseurin, die Balance zwischen Kopf und Gefühl zu halten in diesem kleinen Film, der einer raschen, hübschen Skizze gleicht.

Fazit: Weil eine junge Frau ins Kloster geht, geraten ihre Eltern und Geschwister auf der Abschiedsfeier ins Grübeln über das eigene Leben: Die Momentaufnahme einer Familie ist ein heiter-besinnliches Ensemblespiel in lockerer, mit magischen Farbtupfern angereicherter Atmosphäre.





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