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Kritik: Sonnwende (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Auch wenn das von Judith Angerbauer und Bernhard Landen gemeinsam geschriebene und inszenierte Seelendrama mehrfach allgemeine Ängsten junger Menschen angesichts neuer Lebensperspektiven anklingen lässt, ist diese durchaus spannende Thematik nur eine Begleiterscheinung der dargebotenen Ereignisse. Vielmehr erzählt der Film eine durch und durch persönlich gefärbte Leidensgeschichte, die auf ein tiefergehendes Trauma zurückzuführen ist. Das deuten bereits recht früh die wiederholt eingestreuten Erinnerungen an den schicksalhaften Partyabend an, die zunächst zwar sehr bruchstückhaft ausfallen, den Zuschauer aber doch dafür sensibilisieren, dass der Autounfall alleine nicht die Ursache für Anjas dramatischen Zustand sein kann.

Behutsam, aber eindringlich fangen die beiden Regisseure den schleichenden Verfallsprozess der Protagonistin ein. So unterstreichen lichtdurchflutete und mitunter sehr dynamische Bilder immer wieder ihren Schockzustand und das zunehmende Taumelgefühl, ohne dass der Film sich zu einer Aneinanderreihung sinnlos-hektischer Szenen auswachsen würde. Ganz im Gegenteil, oft sind es kleine, genau beobachtete Gesten – so etwa ein plötzliches Fingerzucken –, die Anjas umfassende Verunsicherung nach außen kehren. Wie durch einen Schleier scheint sie auf eine Welt zu schauen, die für sie auf einmal nicht mehr greifbar ist. Wenngleich die eigentlich vertraute Umgebung immer bedrohlicher erscheint, will die Hauptfigur ihren seltsamen Panikattacken und Erinnerungsfetzen anfangs nicht auf den Grund gehen. Die Rückfragen ihrer besorgten Eltern (Christine Kättner, Piet Fuchs), ihres Freundes Bene (Conrad Risch) und ihrer besten Freundin Nicole (Lisa Reuter) lässt sie mehrfach ins Leere laufen und untergräbt damit zunächst alle gut gemeinten Hilfsangebote.

Dass man als Zuschauer nie den Anschluss an die traumatisierte Protagonistin verliert, ist in erster Linie Hauptdarstellerin Roxane Duran zu verdanken, die wie ein aus der Welt gefallenes Wesen durch den Film wandelt und den seelischen Zustand ihrer Figur nuanciert und anschaulich zum Ausdruck bringt. Effekthascherische Attitüden sind der jungen Schauspielerin ebenso fremd wie dem übrigen Ensemble, das sich in den glaubwürdigen und authentischen Rahmen des Films perfekt einzufügen versteht. Kleinere Schwächen offenbart "Sonnwende" im letzten Drittel. Hier gerät die Handlung bisweilen etwas fahrig und hätte durchaus ein bisschen mehr inhaltliche Substanz vertragen können. Die finale Auflösung der Ereignisse vermag den Zuschauer zwar zu erschüttern, wirkt letztlich aber auch ein wenig plump.

Fazit: Eindringlich inszeniertes Seelendrama, dessen überzeugende Hauptdarstellerin kleine erzählerische Schwächen in den Hintergrund treten lässt.





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