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Woodstock in Timbuktu - Die Kunst des Widerstands
Woodstock in Timbuktu - Die Kunst des Widerstands
© BraveHearts International GmbH

Kritik: Woodstock in Timbuktu - die Kunst des Widerstands (2011)


Im Jahr 2011 begleitete die Filmemacherin Désirée von Trotha die Macher des Festival au Désert in Timbuktu. Dieses Musikfestival wird seit elf Jahren von einer Gruppe Tuareg-Nomaden organisiert. Es ist eine Art Familientreffen, wobei der Begriff Familie in dieser Volksgruppe durchaus anders zu verstehen ist wie vielleicht im westeuropäischen Sinne. Und so treffen einmal im Jahr hunderte von Menschen zusammen, davon viele internationale Besucher, und lauschen althergebrachten und zeitgenössischen Klängen verschiedener Tuareg-Künstler. Der Grundstein dieser Veranstaltung war eine symbolische Waffenverbrennung im Jahr 1996, die das Ende eines jahrelangen bewaffneten Konflikts in dieser Region besiegeln sollte. Und so steht das Festival im Zeichen des Friedens und der Versöhnung, des Tausches von Waffen gegen Gitarren.

Désirée von Trotha lebt seit über zwanzig Jahren jedes Jahr mehrere Monate bei den Tuareg und hat dort viele Freunde. In ihrem Film lässt sie die Macher, verschiedene Künstler und Besucher des Festivals zu Wort kommen. Es geht dabei nicht nur um Musik, wobei diese natürlich den Mittelpunkt bildet. Themen wie die Rolle der Frau bei den Tuareg und im Islam allgemein werden besprochen und das Gesagte dürfte viele Zuschauer überraschen. So sind circa siebzig Prozent der Frauen frei bei den Tuareg, was natürlich nicht heißt, dass gewisse angestammte Rollenbilder nicht existieren. Aber die Frauen haben traditionell eine starke Rolle und in dem Film treten starke weibliche Persönlichkeiten auf. Auch die Rolle des Islam wird thematisiert und so erfährt man, dass der Islam der Tuareg weltoffener und weniger fundamental ausgelegt wird, was auch immer wieder zu Auseinandersetzungen mit radikalen Islamisten führt. Der Film informiert generell über die Lebensweise dieses alteingesessenen Nomadenvolkes und die aktuellen Probleme. Die Verteilung der knappen Wasserressourcen spielt dabei eine zentrale Rolle, wie aber auch Schulbildung und der Einfluss der modernen Welt auf die Strukturen der eher traditionellen Lebensweise in der Wüste.

Der Film ist allerdings keine objektive, politische Dokumentation. Vielmehr lässt er die Betroffenen zu Wort kommen. Eingebettet in musikalische Szenen und beeindruckende Bilder ist es ein audiovisuelles Erlebnis, wenn man beispielsweise bei der Anreise hunderte Kamelreiter in der Abendsonne durch die Wüste reiten sieht. Désirée von Trotha gelingt es, Informatives mit künstlerischem Anspruch zu vermitteln und dem Zuschauer die fremde Kultur dieses außergewöhnlichen Wüstenvolkes mit seiner langen Geschichte nahezubringen. Nach den Konflikten des Jahres 2012 in Mali ist die Zukunft des Festivals allerdings völlig offen. Alle Mitwirkenden des Films sind in Flüchtlingslagern, im Exil oder auf der Flucht. Und somit bleibt nur die Hoffnung, dass der friedliche Geist dieser Veranstaltung irgendwann doch noch Früchte trägt.

Fazit: Der Film zeigt in beeindruckender Weise das Leben der Tuareg- Nomaden in der heutigen Zeit. Vor dem Hintergrund eines Musikfestivals inmitten der Wüste kommen die Akteure zu Wort und vermitteln einen einmaligen Einblick in das Leben in dieser sonst lebensfeindlichen Umgebung.




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